Blasenschwäche: Frau, was kann ich im Alltag tun? Übungen, Tipps & Behandlung

blasenschwache

Das Thema Blasenschwäche, auch bekannt als Harninkontinenz, betrifft Millionen von Frauen in Deutschland, ist aber oft ein sensibles und tabuisiertes Problem. Viele Betroffene zögern, Hilfe zu suchen, obwohl es effektive Behandlungsmethoden gibt.


Wir beleuchten die Ursachen, Symptome und zeigen Ihnen, wie Sie mit gezielten Übungen und der richtigen Unterstützung Ihre Lebensqualität deutlich verbessern können. Es ist Zeit, aktiv zu werden und sich von der Angst vor unkontrolliertem Urinverlust zu befreien!

Was ist Blasenschwäche bei Frauen?

Die Blasenschwäche ist definiert als die Unfähigkeit, den Urin willentlich zu halten, was zu einem unfreiwilligen Urinverlust führt. Es handelt sich dabei nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern um ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. 


Inkontinenz bei Frauen tritt in unterschiedlichen Formen auf, die sich in ihren Ursachen und Symptomen unterscheiden. Die häufigsten Arten der Inkontinenz sind:

  • Stressinkontinenz (Belastungsinkontinenz): Die häufigste Form. Hierbei kommt es zum Urinverlust bei körperlicher Anstrengung, die den Druck im Bauchraum erhöht, wie z.B. beim Niesen, Husten, Lachen, Springen oder Heben. Die Ursache liegt oft in einer Schwäche des Beckenbodens und/oder des Schließmuskels.
  • Dranginkontinenz: Charakterisiert durch einen plötzlichen, intensiven Harndrang, der kaum oder gar nicht unterdrückt werden kann. Betroffene müssen sehr häufig zur Toilette und schaffen es manchmal nicht rechtzeitig. Die Ursache liegt hier oft in einer Überaktivität des Blasenmuskels.
  • Mischinkontinenz: Eine Kombination aus den Symptomen der Stress- und der Dranginkontinenz.

💡 Die Inzidenz bei Frauen ist hoch: Schätzungen zufolge ist jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens von einer Form der Harninkontinenz betroffen.

blasenschwache

Symptome: Woran erkennt man eine Blasenschwäche?

Die Anzeichen für eine Blasenschwäche sind vielfältig und können die Lebensqualität stark einschränken. Achten Sie auf folgende Symptome:

  • Unfreiwilliger Urinverlust bei körperlicher Belastung:Dies ist typisch für die Belastungsinkontinenz und tritt auf bei:
    • Husten, Niesen oder Lachen.
    • Sportlichen Aktivitäten (Laufen, Springen).
    • Heben und Tragen schwerer Gegenstände bzw. Babys oder Kinder.
  • Plötzlicher, starker Harndrang: Das Gefühl, sofort auf die Toilette gehen zu müssen (Dranginkontinenz).
  • Häufiges Wasserlassen: Sehr oft und mit geringen Urinmengen, auch tagsüber (Pollakisurie).
  • Nächtlicher Urinverlust (Nykturie): Mehrmals pro Nacht aufstehen zu müssen, um zur Toilette zu gehen.
  • Gefühl der Blasenentleerungsstörung: Unsicherheit, ob die Blase vollständig geleert ist.
  • Allgemeines Unbehagen oder Schamgefühl: Die Inkontinenz führt oft zu sozialer Isolation und Beeinträchtigung des Wohlbefindens.
beckenbodentrainer-fur-blasenschwache

Warum sind Frauen häufiger betroffen?

Die Tatsache, dass Frauen häufiger von Blasenschwäche betroffen sind als Männer, liegt an spezifischen anatomischen und hormonellen Faktoren sowie an einzigartigen Lebensereignissen wie Schwangerschaft und Geburt. Das Verständnis dieser Ursachen ist entscheidend, um die richtige Behandlung einzuleiten.

Anatomische Besonderheiten

Die weibliche Anatomie prädestiniert Frauen gewissermaßen für eine Inkontinenz.


  • Verkürzte Harnröhre (Urethra): Die Harnröhre der Frau ist mit ca. 3 bis 4 cm deutlich kürzer als die des Mannes. Dies bedeutet einen kürzeren Weg für den Urin, falls der Verschlussmechanismus versagt.
  • Breiteres Becken und Beckenausgang: Das weibliche Becken ist breiter und offener, was eine größere mechanische Belastung für den Beckenboden darstellt und diesen anfälliger für Dehnung und Schwächung macht.

Schwangerschaft und Geburt

Die Belastungen während der Schwangerschaft und insbesondere der Geburt sind die Hauptursachen für eine Beckenbodenschwäche und die daraus resultierende Belastungsinkontinenz.


  • Überlastung in der Schwangerschaft: Das steigende Gewicht des Babys, der Gebärmutter und des Fruchtwassers erhöht den Druck auf den Beckenboden über Monate hinweg.
  • Dehnung und Verletzung bei der Geburt: Während der vaginalen Geburt können die Beckenbodenmuskulatur und die umliegenden Nerven und Bänder stark überdehnt oder sogar verletzt werden. Dies kann zu einer nachhaltigen Schwächung des Verschlussapparates führen.

Wechseljahre

Der Beginn der Wechseljahre ist ein weiterer kritischer Punkt für die Blasenfunktion.


  • Östrogenmangel: In den Wechseljahren sinkt der Spiegel des weiblichen Sexualhormons Östrogen. Östrogene sind wichtig für die Durchblutung und Elastizität der Schleimhäute der Harnröhre und des Beckenbodens.
  • Schwächung der Gewebe: Der Östrogenmangel führt zur Atrophie (Verdünnung und Schwächung) der Gewebe im Urogenitalbereich. Die stützenden Strukturen verlieren an Festigkeit, was die Verschlussfunktion zusätzlich beeinträchtigt.

Weitere Ursachen

Neben den geschlechtsspezifischen Faktoren gibt es allgemeine Risikofaktoren, die eine Blasenschwäche begünstigen:

  • Übergewicht (Adipositas): Ein hohes Körpergewicht erhöht den ständigen Druck auf den Beckenboden und die Blase.
  • Unterleibsoperationen: Eingriffe im kleinen Becken, wie z.B. eine Gebärmutterentfernung (Hysterektomie), können die Nerven oder stützenden Bänder der Blase und Harnröhre beeinträchtigen.
  • Chronische Verstopfung: Häufiges starkes Pressen beim Stuhlgang überdehnt den Beckenboden.
  • Häufige Harnwegsinfektionen: Wiederkehrende Blasenentzündungen können die Blasenwand reizen und eine Dranginkontinenz fördern.
  • Bestimmte Medikamente: Einige Arzneimittel (z.B. Diuretika) können als Nebenwirkung eine erhöhte Urinproduktion oder eine gestörte Blasenfunktion verursachen.
perifit-fur-blasenschwache 

Blasenschwäche Frau: Was tun? Die effektivsten Behandlungsmethoden

Wenn Sie unter Blasenschwäche leiden, ist es wichtig zu wissen, dass es viele effektive Behandlungsmöglichkeiten gibt, um die Symptome zu lindern oder sogar ganz zu beseitigen. Die Therapie richtet sich nach der Art und Schwere der Inkontinenz.

Beckenbodentraining – Die Schlüsselmethode

💡 Das gezielte Beckenbodentraining ist die wichtigste und oft die erfolgreichste Behandlungsmethode, insbesondere bei der Belastungsinkontinenz.

  • Warum dies hilft: Der Beckenboden ist der „muskuläre Boden“ des Beckens und bildet zusammen mit der tiefen Bauch- und Rückenmuskulatur das innere „Muskelkorsett“. Ein gestärkter Beckenboden stabilisiert die Harnröhre und den Blasenausgang und verbessert so den Verschlussmechanismus. Das Training führt zu einer nachhaltigen Reduktion von unkontrolliertem Urinverlust.
  • Wann beginnen: Ideal ist das Beckenbodentraining präventiv, etwa vor, während oder nach einer Schwangerschaft. Aber es ist niemals zu spät damit anzufangen. Auch im höheren Alter kann eine deutliche Besserung erzielt werden.
  • Einfache Übung: Versuchen Sie, die Beckenbodenmuskulatur mit einer Ausatmung zusammen zu ziehen, als ob Sie Urin oder einen Darmwind zurückhalten wollen. Halten Sie die Spannung kurz und lassen Sie dann vollständig los. Achten Sie darauf, nicht die Gesäß- oder Bauchmuskeln zu Hilfe zu nehmen.
  • Heimtraining und Technologie: Die Reha ist heute auch komfortabel zu Hause möglich. Innovative Hilfsmittel wie Biofeedback-Sonden Perifit Care ermöglichen ein effektives Training.

💡 Studien zeigen: 85% der Patientinnen konnten ihre Blasenschwäche nach nur vier Monaten regelmäßiger Anwendung deutlich reduzieren.

Blasentraining und Verhaltenstipps

Diese Maßnahmen sind besonders wirksam bei einer Dranginkontinenz und unterstützen jede andere Therapie:

  • Miktionstagebuch führen: Protokollieren Sie für einige Tage, wann, wie viel und wie oft Sie trinken und wann Sie urinieren. Dies hilft, Gewohnheiten zu identifizieren und die Zeitabstände zwischen den Toilettengängen schrittweise zu verlängern (Blasentraining).
  • Trinkverhalten anpassen: Vermeiden Sie es, große Mengen auf einmal zu trinken. Achten Sie jedoch darauf, ausreichend (ca. 1,5 bis 2 Liter) über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Zu konzentrierter Urin kann die Blasenwand reizen.
  • Reizende Getränke meiden: Reduzieren Sie den Konsum von Kaffee, schwarzem Tee, kohlensäurehaltigen Getränken und Alkohol, da diese die Blase irritieren und harntreibend wirken können.
  • Gewichtsreduktion (Gewichtsabnahme): Bei Übergewicht kann die Reduktion des Körpergewichts den Druck auf den Beckenboden und die Blase verringern und die Symptome lindern.

Hilfsmittel und Produkte

Spezielle Produkte bieten im Alltag sofortige Sicherheit und Diskretion:

  • Inkontinenzeinlagen vs. Damenbinden: Nutzen Sie ausschließlich spezielle Inkontinenzeinlagen oder Pants. Diese sind im Gegensatz zu herkömmlichen Damenbinden darauf ausgelegt, dünnflüssigen Urin schnell aufzunehmen, Gerüche zu binden und die Haut trocken zu halten.
  • Vorteile: Sie bieten hohe Sicherheit und Diskretion. Die Geruchsabsorption sorgt für ein besseres Gefühl im Alltag.

Medizinische Behandlung

Bei schweren Verläufen oder wenn die konservativen Methoden nicht ausreichen, kommen medizinische Optionen infrage:

  • Hormonersatztherapie (nach den Wechseljahren): Bei Frauen mit Östrogenmangel kann eine lokale Anwendung von Östrogenen (Vaginalzäpfchen oder Cremes) die Schleimhäute der Harnwege stärken und so die Verschlussfunktion verbessern.
  • Medikamente: Zur Behandlung der überaktiven Blase (Dranginkontinenz) können Medikamente verschrieben werden, die den Blasenmuskel entspannen und so den plötzlichen Harndrang reduzieren.
  • Operative Therapie: Bei schwerer Belastungsinkontinenz, die durch eine deutliche Beckenbodenschwäche bedingt ist, kann eine Operation helfen (z.B. die Einlage einer TVT- oder TOT- Bands), um der Harnröhre wieder Halt zu geben.

Welche Sportarten sind bei Blasenschwäche zu vermeiden?

Obwohl regelmäßige Bewegung für die allgemeine Gesundheit und zur Gewichtsreduktion wichtig ist, können einige Sportarten den Druck auf den Beckenboden stark erhöhen und die Symptome der Blasenschwäche verschlimmern. Dies gilt insbesondere für die Belastungsinkontinenz.


Sportarten mit hohem Stoß- und Druckmoment (hohe Impact-Sportarten) sollten vermieden oder angepasst werden:

  • Springen und Laufen: Sportarten wie Trampolinspringen, Joggen oder intensives Seilspringen erzeugen starke vertikale Stöße, die den Beckenboden nach unten drücken.
  • Intensives Gewichtheben: Das Heben sehr schwerer Lasten (insbesondere bei falscher Atemtechnik und Pressen) erhöht den intraabdominalen Druck massiv.
  • Sportarten mit schnellen Stopps und Richtungswechseln: Dazu gehören viele Ballsportarten wie Fußball, Basketball oder Tennis.

Konzentrieren Sie sich stattdessen auf Sportarten, die den Beckenboden schonen und die Rumpfmuskulatur stärken:

  • Schwimmen und Wassergymnastik: Der Auftrieb des Wassers reduziert die  Belastung der Schwerkraft.
  • Radfahren: Eine gelenkschonende und Beckenboden-freundliche Ausdauerbelastung.
  • Yoga und Pilates: Diese fördern die Körperhaltung, die tiefe Rumpfmuskulatur und sind ideal, um das Beckenbodentraining zu integrieren.
  • Zügiges Gehen (Walking): Eine hervorragende Alternative zum Joggen.

Wenn Sie Ihren Lieblingssport nicht aufgeben möchten, konsultieren Sie eine Physiotherapeutin, um Ihren Beckenboden vorab maximal zu stärken und die Übungen anzupassen.

Die Blasenschwäche (Harninkontinenz) ist ein weit verbreitetes Problem, das Frauen in jeder Lebensphase treffen kann. Doch Sie müssen sich nicht damit abfinden! Die zentrale Botschaft lautet: Es gibt effektive Behandlungsmethoden. Das gezielte Beckenbodentraining ist der Grundpfeiler jeder erfolgreichen Behandlung und kann mit Hilfsmitteln wie Biofeedback-Sonden Perifit auch komfortabel zu Hause durchgeführt werden. Zögern Sie nicht, mit Ihrem Arzt oder einer spezialisierten Physiotherapeutin über Ihre Symptome zu sprechen. Kombiniert mit Blasentraining, dem Vermeiden reizender Getränke und gegebenenfalls einer Gewichtsreduktion, können Sie Ihre Kontinenz in vielen Fällen signifikant verbessern und Ihre Lebensqualität zurückgewinnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Lisa BRAUN
Beckenboden-Physiotherapeutin, Mutter und Gründerin von femphysio
Spezialisiert auf Frauengesundheit mit dem Fokus auf Schwangerschaft, Rückbildung und Beckenboden.

Blogartikel

Alles ansehen
standiger-harndrang-bei-frauen

Häufiges Wasserlassen bei Frauen: Was hilft gegen ständigen Harndrang? 

Im Durchschnitt scheiden wir etwa 350 ml Urin pro Miktion (Blasenentleerung) alle 3 bis 4 Stunden aus.

blasenschwache

Blasenschwäche: Frau, was kann ich im Alltag tun? Übungen, Tipps & Behandlung

Das Thema Blasenschwäche, auch bekannt als Harninkontinenz, betrifft Millionen von Frauen in Deutschland, ist aber oft ein sensibles und tabuisiertes Problem.

belastungsinkontinenz-frauen

Was ist Belastungsinkontinenz bei Frauen? Symptome erkennen und verstehen

Harnprobleme bleiben für viele Frauen in Deutschland ein Tabuthema, etwa 40 % sind davon betroffen.