Ein frühgeborenes Baby stillen: wichtige Tipps und grundlegende Informationen

Ein frühgeborenes Baby stillen: wichtige Tipps und grundlegende Informationen

Das Stillen ist für die Gesundheit von Neugeborenen äußerst wertvoll – ganz besonders für Frühchen. Bei einer Frühgeburt treten viele Fragen auf, vor allem in Bezug auf das Stillen. Dieser Artikel hilft Ihnen, die Besonderheiten des Stillens eines Frühchens besser zu verstehen.

Warum ist Stillen für ein frühgeborenes Baby so vorteilhaft?

💡 Die Muttermilch spielt eine schutzgebende und lebenswichtige Rolle für Frühgeborene.

Durch ihren Reichtum an Nährstoffen, Antikörpern und Enzymen trägt sie dazu bei:

  • das noch unreife Immunsystem zu stärken,
  • die Verdauungstoleranz zu verbessern,
  • die neurologische Entwicklung zu fördern,
  • das Risiko von Komplikationen (Infektionen, nekrotisierende Enterokolitis usw.) zu reduzieren.

Die Zusammensetzung der Muttermilch einer Mutter, die ein Frühchen geboren hat, ist in den ersten Wochen oft reicher an Proteinen, Natrium und Antikörpern. Diese Zusammensetzung ist ideal für ein besonders verletzliches Baby.

Die Herausforderungen beim Stillen eines Frühchens

Mütter können beim Stillen eines Frühchens zahlreiche Schwierigkeiten erleben. Dieses Stillen erfordert häufig mehr Geduld und Anpassung als bei einem termingerecht geborenen Baby.

Schwierigkeiten aufgrund des unreifen Saugreflexes

💡 Bei Babys, die vor der 34. Schwangerschaftswoche geboren wurden, ist die Koordination von Saugen, Schlucken und Atmen noch nicht vollständig entwickelt.

Dadurch wird das Trinken an der Brust erschwert oder zu Beginn sogar unmöglich. Oft ist zunächst eine Sondenernährung notwendig.


Das medizinische Team schlägt häufig vor, parallel zu den ersten Stillversuchen eine Magensonde zu verwenden. Ziel ist es, dass das Baby das Hungergefühl mit dem Saugen verbindet.

Trennung von Mutter und Baby

Wenn Mutter und Baby getrennt werden (z. B. nach einem Kaiserschnitt oder wenn das Baby auf der Intensivstation liegt), kann der Milcheinschuss verzögert sein. Zudem verstärkt die Trennung emotionalen Stress, Erschöpfung und erschwert den Start des Stillens.


Das medizinische Personal begleitet Sie in dieser Phase. Zögern Sie nicht, Ihre Schwierigkeiten anzusprechen.

Milchbildung auf Distanz aufrechterhalten

💡 Kann das Baby nicht direkt an der Brust trinken, muss die Mutter ihre Milch regelmäßig abpumpen, um die Milchproduktion aufrechtzuerhalten.

Das erfordert Organisation, Regelmäßigkeit und kann eine erhebliche mentale Belastung darstellen.


Die Unterstützung durch den Partner, die Familie, die Hebamme sowie das Pflegepersonal ist entscheidend, um motiviert zu bleiben und Hindernisse zu überwinden.


Die Perifit Pump Milchpumpe ist praktisch und einfach zu bedienen – sie kann in dieser Phase eine wertvolle Unterstützung sein.

Wie gelingt das Stillen eines Frühchens?

Das Stillen frühgeborener Babys erfordert täglichen Einsatz, doch jeder Fortschritt stärkt die Bindung zwischen Eltern und Kind. Hier sind die wichtigsten Schritte, die Sie unterstützen können.

Milch abpumpen

Dies ist oft die erste Maßnahme nach einer Frühgeburt. Um die Milchproduktion zu starten und aufrechtzuerhalten, wird empfohlen:

  • möglichst innerhalb der ersten 6 Stunden nach der Geburt zu beginnen,
  • 8–10 Mal in 24 Stunden abzupumpen, auch nachts,
  • eine elektrische Doppelpumpe zu verwenden, da sie die Milchbildung effektiver stimuliert.

💡 Selbst wenige Milliliter Kolostrum sind wertvoll für Ihr Baby – jeder Tropfen zählt.

Alternative Fütterungsmethoden

Wenn das Baby noch nicht an die Brust gelegt werden kann, stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung, um ihm die Muttermilch zu geben:

  • die nasogastrale Sonde,
  • das Brusternährungsset,
  • Das Fingerfeeding mit Spritze, die Tasse oder der Löffel,
  • die Flasche (als letzter Ausweg, je nach klinischer Situation).

Diese Methoden ermöglichen die Ernährung, bis eine schrittweise Umstellung auf die Brust möglich ist – sobald das Baby bereit ist.

Medizinische und emotionale Unterstützung

Eine Begleitung durch eine Kinderkrankenschwester und Hebamme ist äußerst hilfreich, um:

  • die abgepumpte Milchmenge zu beurteilen,
  • die Abpumpfrequenz anzupassen,
  • das Baby anzulegen, sobald es möglich ist,
  • Schmerzen und Milchstau zu vermeiden,
  • die Motivation der Mutter aufrechtzuerhalten.

Man darf nicht vergessen, dass die Mutter gerade erst geboren hat: Sie ist oft erschöpft, emotional sensibel und kann durch die Situation gestresst sein.

💡 Die Unterstützung durch eine Psychologin kann in dieser Phase sehr hilfreich sein.

Brustwarzenstimulation

Manuelle Stimulation zusätzlich zum Abpumpen kann den Milcheinschuss fördern – insbesondere in den ersten Tagen. Auch Hautkontakt (Känguruhen) unterstützt die Milchbildung.

Das Baby richtig positionieren

Eine gute Stillposition ist entscheidend, sobald das Baby bereit ist, an die Brust angelegt zu werden. Kissen oder Armstützen können den Komfort für Mutter und Kind verbessern. Empfehlenswerte Positionen sind:

  • Biological Nurturing (zurückgelehnte Haltung),
  • Seitenlage,
  • die umgekehrte Wiegehaltung, die häufig in der Neonatologie genutzt wird.

Die Stillposition eines Frühchens mag nebensächlich erscheinen, ist aber besonders wichtig. Holen Sie sich hierzu unbedingt professionellen Rat – das macht oft einen großen Unterschied.

Kann ein sehr früh geborenes Baby (vor der 32. Woche) gestillt werden?

Ja, auch ein extrem frühgeborenes Baby kann gestillt werden – jedoch nicht sofort direkt an der Brust.

Diese Kinder benötigen Zeit, um klinisch stabil zu werden und genügend Kraft zum Saugen zu entwickeln.

Die Ernährung beginnt in der Regel über eine Magensonde und entwickelt sich über Wochen weiter. Das Anlegen erfolgt allmählich, sobald das Baby eine ausreichende neurologische Reife zeigt.


Bis dahin ist das regelmäßige Abpumpen der beste Weg, eine gute Milchreserve aufzubauen und sicherzustellen, dass Ihr Baby die bestmögliche Milch erhält.

Wie kann ich meine Muttermilch für ein Frühchen vorbereiten, das noch nicht an der Brust trinken kann?

Hygiene ist entscheidend, um Kontamination zu vermeiden:

  • gründliches Händewaschen,
  • Verwendung steriler Behälter,
  • sofortige Kühlung der Milch nach dem Abpumpen.

Die Station, auf der Ihr Baby betreut wird, stellt Ihnen alle notwendigen Informationen und Verordnungen bereit – lassen Sie sich begleiten.


Die Milchmenge für ein Frühchen richtet sich nach seinem Gewicht und klinischen Zustand. Das neonatologische Team wird Sie genau anleiten, welche Mengen und welche Fütterungsfrequenz erforderlich sind.


Die Muttermilch kann vorübergehend mit Fortifier (Anreicherungsmitteln) ergänzt werden, um den besonderen Wachstumsbedürfnissen gerecht zu werden.

Woran erkenne ich, dass mein frühgeborenes Baby bereit ist, direkt an der Brust zu stillen?

Der Übergang zum Stillen an der Brust ist ein wichtiger Schritt. Er kann jedoch erst erfolgen, wenn bestimmte medizinische und entwicklungsspezifische Bedingungen erfüllt sind. Hier sind die wichtigsten Anzeichen, auf die Sie achten sollten.

Medizinische Stabilität

💡 Das Baby sollte eine gute Temperaturregulation, eine selbstständige und regelmäßige Atmung ohne häufige Sauerstoff-Abfälle sowie eine gute muskuläre Spannung zeigen.

 Diese Kriterien ermöglichen es, das Stillen sicher zu beginnen. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt gibt Ihnen hierzu das Go!

Funktionierender Saugreflex

Ein Baby, das bereit zum Stillen ist, zeigt spontan Saugreflexe, wenn man ihm die Brust anbietet oder die Lippe stimuliert. Es kann außerdem einen Schnuller oder den eigenen Finger kräftig und koordiniert saugen. Dieser Reflex ist entscheidend, damit es die Brustwarze richtig erfassen kann.

Verbesserte Schluckfähigkeit

Die Koordination von Saugen–Schlucken–Atmen ist bei sehr frühgeborenen Babys noch schwierig. Wenn sich diese Fähigkeit verbessert, kann das Baby trinken, ohne sich zu verschlucken oder zu ermüden – ein sehr gutes Zeichen.

Stabile Gewichtszunahme

Eine regelmäßige, auch moderate Gewichtszunahme zeigt, dass das Baby die Ernährung gut verträgt. Ein stabiler Gewichtsverlauf ist wichtig, bevor längere Stillmahlzeiten direkt an der Brust möglich sind.

Häufigeres Erwachen und Interesse an der Brust

Wenn Ihr Baby beginnt, selbstständig wach zu werden, den Mund zu öffnen, die Brust zu suchen oder kleine Geräusche zu machen, zeigt dies, dass es aktiv am Essen teilnehmen möchte. Das sind kleine Zeichen – aber sie bedeuten so viel!

Was tun, wenn die Mutter nicht stillen kann?

Manchmal hängt die Frühgeburt mit einer mütterlichen Erkrankung zusammen (z. B. Eklampsie, Infektion), sodass die Mutter zunächst nicht stillen kann. In diesem Fall kann der Kinderarzt Spenderinnenmilch aus der Frauenmilchbank verschreiben. Diese Milch stammt von Müttern, die Muttermilch spenden und wird unter strengen Bedingungen kontrolliert.


So kann das Frühchen trotz schwieriger Umstände von den wertvollen Vorteilen der Muttermilch profitieren.

Das Stillen eines Frühchens erfordert gute Begleitung und Information. Ihre Milch ist besonders wertvoll für Ihr Baby. Auch wenn der Start manchmal schwierig ist – jeder Einsatz lohnt sich. Es ist ein wunderschönes Geschenk, das Sie Ihrem Kind machen.

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Ulla Piotrowski
Gründerin & Inhaberin der Milla Hebammenpraxis, Frankfurt am Main
Freiberufliche Hebamme seit 15 Jahren, mit Erfahrung in der Schwangerenvorsorge und Beratung, Geburtshilfe, Wochenbettbetreuung und Stillberatung

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