Brustschmerzen beim Stillen verstehen, vorbeugen und lindern

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Das Stillen ist ein besonderer Moment zwischen Mutter und Kind – dennoch kann es mit gewissen Beschwerden einhergehen. Brustschmerzen beim Stillen gehören zu den häufigsten Problemen und können gerade junge Mütter verunsichern.


Die gute Nachricht: In den meisten Fällen sind diese Schmerzen harmlos und lassen sich mit einfachen Maßnahmen lindern. Die Ursachen zu verstehen, gezielt vorzubeugen und passende Lösungen zur Schmerzlinderung zu kennen, ist entscheidend, um das Stillen entspannt und schmerzfrei zu erleben.

Was verursacht Brustschmerzen beim Stillen?

Wenn man die Auslöser von Schmerzen beim Stillen kennt, lassen sie sich oft frühzeitig erkennen und deutlich reduzieren.

Falsches Anlegen des Babys

💡 Eine ungünstige Stillposition oder ein falsches Anlegen des Babys ist eine der häufigsten Ursachen für Schmerzen an der Brustwarze beim Stillen.

 Nimmt das Baby die Brust nicht richtig in den Mund, entstehen Reibung und Druck – das kann zu Schmerzen und wunden Brustwarzen führen.


Achten Sie darauf, dass Ihr Baby nicht nur die Brustwarze, sondern einen großen Teil des Warzenhofs erfasst.


Das Baby sollte auf Brusthöhe liegen, damit nicht am Brustwarzengewebe gezogen wird.

Milchstau

Ein Milchstau (Brustdrüsenschwellung) äußert sich durch schmerzhafte Spannung, verursacht durch einen Milchüberschuss in den Milchgängen. Er tritt häufig beim Milcheinschuss oder dann auf, wenn das Baby nicht effektiv oder zu selten trinkt.


Zum Beispiel kann ein zu schneller Abstillprozess dazu führen, dass sich die Milchmenge nicht rechtzeitig an den geringeren Bedarf des Kindes anpasst.


Zu enge Kleidung, Babytragen oder ein schlecht sitzender Still-BH können Druck auf die Brust ausüben und so einen Milchstau begünstigen.

Risse und Rhagaden an der Brustwarze

Wunde oder rissige Brustwarzen sind schmerzhafte Läsionen, meist verursacht durch falsches Anlegen oder eine ineffektive Saugtechnik. Sie zeigen sich als feine Risse und können das Stillen sehr unangenehm machen.


Eine gezielte Pflege und die Korrektur der Stilltechnik sind entscheidend, damit die Brustwarze gut abheilen kann.

Infektion (Mastitis und Abszess) 

Eine Brustentzündung (Mastitis) ist eine entzündliche Erkrankung der Brust, häufig ausgelöst durch Bakterien. Typische Symptome sind starke Schmerzen, lokale Rötung und Überwärmung sowie Fieber und Erschöpfung.


Wird eine Mastitis nicht rechtzeitig behandelt, kann sich ein Brustabszess bilden – eine abgekapselte Eiteransammlung, die ärztlich versorgt werden muss.

Weitere kleinere Stillprobleme

Ein verstopfter Milchgang führt zu lokal begrenzten Schmerzen und einer tastbaren, druckempfindlichen Stelle in der Brust. Ursache können Druck, enge Kleidung oder unzureichendes Entleeren der Brust sein.


Ein zu starker oder gehemmter Milchspendereflex und Krämpfe in den Milchgängen kann den Milchfluss stören und Schmerzen während oder zwischen den Stillmahlzeiten auslösen.


Eine sehr große Brust kann durch Zug an den Haltebändern oder ungünstige Stillpositionen zusätzliche Beschwerden verursachen.

💡 Auch eine falsche Anwendung der Milchpumpe ist eine häufig unterschätzte Ursache von Brustschmerzen.

Die Sitzposition und vor allem die passende Größe des Pumpentrichters (Brusthaube) sind genauso wichtig wie die Anlegetechnik beim direkten Stillen.

Wie lassen sich Brustschmerzen beim Stillen vorbeugen?

Gute Nachrichten: Brustschmerzen beim Stillen lassen sich oft vermeiden, wenn man frühzeitig die richtigen Gewohnheiten annimmt. Hier sind einige einfache und bewährte Tipps, um Schmerzen beim Stillen, insbesondere an der Brustwarze, vorzubeugen.

Eine gute Stillposition einnehmen

Achten Sie darauf, dass Ihr Baby korrekt angelegt ist:

  • Bauch an Bauch mit der Mutter
  • Mund weit geöffnet
  • Erfasst einen großen Teil des Warzenhofs

Eine gute Stillposition ermöglicht eine effektive Saugtechnik, entlastet die Brustwarzen und reduziert deutlich das Risiko von Schmerzen beim Stillen an der  Brustwarze.

Stilleinlagen verwenden

Stilleinlagen, am besten aus Naturfasern bzw. atmungsaktiv, nehmen austretende Milch auf und halten die Brustwarzen trocken. So wird das Risiko von Hautreizungen und Infektionen reduziert.


Sie schützen außerdem vor Reibung durch Kleidung oder BH.

💡 Wechseln Sie die Stilleinlagen regelmäßig, um ein feuchtes Milieu zu vermeiden.

Ausgeruht sein und ausreichend trinken

Genügend Schlaf und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind entscheidend für eine stabile Milchproduktion und helfen, einem Milchstau vorzubeugen.


Müdigkeit oder Dehydrierung können den Stillstart erschweren. Zudem ist trockene Haut weniger elastisch und anfälliger für Risse – ein häufiger Auslöser von Brustschmerzen beim Stillen.

Die Brüste massieren und geeignete Pflegeprodukte anwenden

Sanfte Brustmassagen fördern den Milchfluss, helfen Milchstaus vorzubeugen und ermöglichen es, verhärtete Stellen frühzeitig zu erkennen.


Die Anwendung von speziellen Brustwarzencremes oder -balsamen (z. B. auf Lanolin-Basis) unterstützt die Hautbarriere und kann wunden Brustwarzen effektiv vorbeugen.

Was hilft gegen Brustschmerzen im Zusammenhang mit dem Stillen?

Lassen Sie Brustschmerzen beim Stillen nicht Ihren Stillalltag bestimmen. In den meisten Fällen können einfache Maßnahmen die Beschwerden rasch lindern – besonders dann, wenn die Ursache frühzeitig erkannt wird.

Warme oder kalte Kompressen anwenden

Warme Kompressen (nicht heiß!) fördern den Milchfluss und erleichtern das Entleeren der Brust, sie sollten vor dem Stillen angewendet werden.


Kalte Kompressen (angenehm kühl, nicht eiskalt) wirken entzündungshemmend und können Schwellungen und Schmerzen reduzieren und sollten ausschließlich nach dem Stillen angewendet werden.


Diese Kombination ist besonders hilfreich bei Milchstau oder spannenden Brüsten.

Geeignete Schmerzmittel – nur nach Rücksprache mit medizinischem Fachpersonal 

Einige Schmerzmittel sind mit dem Stillen vereinbar und können kurzfristig zur Linderung von Brustschmerzen beim Stillen eingesetzt werden. Sie sollten jedoch nur vorübergehend angewendet werden.


Entscheidend ist es, die Ursache der Schmerzen zu identifizieren, um das Problem dauerhaft zu lösen.

💡 Nehmen Sie Medikamente ausschließlich nach Rücksprache mit einer Hebamme, Ärztin oder einem Arzt ein.

Unterstützung durch Hebamme oder Stillberaterin

Eine Hebamme oder eine Still- und Laktationsberaterin kann helfen, die Ursache der Schmerzen beim Stillen an der Brustwarze oder der Brust zu erkennen und die Stilltechnik gezielt zu verbessern.


Neben fachlicher Hilfe bieten sie auch emotionale Unterstützung – gerade in einer sensiblen Phase, in der Stillprobleme verunsichern können.

Wunde Brustwarzen und Infektionen richtig behandeln

Zur Förderung der Heilung von wunden Brustwarzen ä:

  • Tragen Sie nach dem Stillen ein paar Tropfen Muttermilch oder Kolostrum auf die Brustwarze auf
  • An der Luft trocknen lassen
  • Verwendung von Brustwarzen Schonern oder Silberhütchen 
  • Reinigung mit warmem Wasser ohne Seife

Zusätzlich empfiehlt sich eine spezielle Brustwarzencreme, idealerweise auf Basis von reinem Lanolin oder Bienenprodukten, ohne Duftstoffe und Konservierungsmittel. Regelmäßiges Auftragen unterstützt die Hautregeneration.


Auch ausreichend Ruhe, eine ausgewogene Ernährung und gute Hydration fördern die Heilung.

Wann sollte man bei Brustschmerzen während des Stillens professionellen Rat einholen?

In bestimmten Situationen ist es wichtig, nicht abzuwarten, sondern gezielt eine Fachperson aufzusuchen. Konsultieren Sie eine Hebamme, eine Still- und Laktationsberaterin oder eine Ärztin / einen Arzt, wenn:

  • Anzeichen einer Infektion auftreten: Rötung, Überwärmung, Fieber oder Schüttelfrost
  • Die Brustschmerzen beim Stillen trotz aller ergriffenen Maßnahmen anhalten oder sich verschlimmern
  • Unsicherheit oder Zweifel bestehen – auch ohne eindeutige Symptome

Eine frühzeitige Abklärung hilft, Komplikationen zu vermeiden und ermöglicht es, das Stillen sicher und ohne Unterbrechung fortzusetzen.

Schmerzen an der Brust oder Brustwarze beim Stillen sollten niemals ignoriert werden. Durch das rasche Erkennen der Ursache, der Korrektur der Stillposition und den Einsatz geeigneter Pflegemaßnahmen kann die Heilung aktiv unterstützt und das Stillen erleichtert werden.


Hören Sie auf Ihren Körper, nehmen Sie sich Zeit für sich und holen Sie sich Unterstützung, sobald Sie sie brauchen. Ein Gefühl von Erschöpfung oder Entmutigung ist verständlich. Wichtig ist zu wissen, dass es für Brustschmerzen beim Stillen Lösungen gibt und Sie diesen Weg nicht allein gehen müssen.

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Ulla Piotrowski
Gründerin & Inhaberin der Milla Hebammenpraxis, Frankfurt am Main
Freiberufliche Hebamme seit 15 Jahren, mit Erfahrung in der Schwangerenvorsorge und Beratung, Geburtshilfe, Wochenbettbetreuung und Stillberatung

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