Tut eine Geburt weh? Wie stark sind die Schmerzen, mit denen man rechnen muss?
Diese Fragen beschäftigen viele schwangere Frauen, die sich auf die Geburt ihres Kindes vorbereiten. Hier erfahren Sie, welche Arten von Schmerzen während und nach der Geburt auftreten können – und wie man besser damit umgeht.
Welche Schmerzen treten während der Geburt auf?
Im Folgenden geben wir einen Überblick über die typischen Schmerzen bei einer natürlichen (vaginalen) Geburt.
Schmerzen durch Wehen
💡 Die Geburtswehen sind deutlich regelmäßiger und intensiver als die sogenannten Vorwehen, auch Übungswehen oder (Braxton-Hicks-Kontraktionen genannt), die gegen Ende der Schwangerschaft auftreten können.
Während der Geburt werden die Wehen häufig als starker Druck beschrieben, der im Unterbauch, im Becken oder im unteren Rücken spürbar ist.
Mit Fortschreiten der Geburt werden sie länger, kräftiger und kürzer aufeinander folgend, was den Geburtsprozess für manche Frauen sehr schmerzhaft machen kann.
Der Schmerz entsteht durch das Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur, wodurch die Muskelfasern kurzfristig weniger mit Sauerstoff versorgt werden.
Schmerzen durch die Öffnung des Muttermundes
Auch die Eröffnung des Muttermundes ist mit Schmerzen verbunden. Diese beginnen bereits in der Eröffnungsphase der Geburt.
Durch die allmähliche Dehnung des Gebärmutterhalses, der Bänder und des Gewebes entstehen Druck- und Dehnungsgefühle im Unterbauch, im Becken oder im Kreuzbereich. Im Gegensatz zu den Wehenschmerzen werden diese Empfindungen häufig als dauerhaft wahrgenommen.
Je weiter die Geburt fortschreitet, desto ausgeprägter und diffuser können diese Schmerzen werden. Ihre Intensität hängt unter anderem ab von:
- der Geschwindigkeit der Muttermundöffnung,
- der Geburtsposition,
- der individuellen Schmerzempfindlichkeit.
Schmerzen in der Austreibungsphase
Kurz vor der Geburt erreicht die Schmerzintensität häufig ihren Höhepunkt.
Der starke Druck auf den Damm (Perineum) führt zu einer maximalen Dehnung des Gewebes. Viele Frauen beschreiben dabei ein Gefühl des Brennens oder Spannens, insbesondere wenn der Kopf des Babys (oder bei Beckenendlage das Gesäß) durchtritt.
In manchen Fällen kommt es während dieser Phase zu einem Dammriss oder zu einem Dammschnitt (Episiotomie).
Schmerzen nach der Geburt
Nach einer vaginalen Geburt können in den ersten Tagen folgende Beschwerden auftreten:
- Nachwehen (Uteruskontraktionen, die der Rückbildung dienen),
- Dammschmerzen, insbesondere nach einem Dammriss oder einer Episiotomie.
Nach einer Sectio (Bauchgeburt) klagen viele Frauen über:
- Nachwehen,
- Bauchschmerzen im Bereich der Operationsnarbe.
Unabhängig von der Geburtsform verspüren viele Frauen zudem ein unangenehmes Gefühl im unteren Rücken, das mit den Haltungsveränderungen im Wochenbett zusammenhängt.
Welche Faktoren beeinflussen die Schmerzen während der Geburt?
Die Schmerzempfindung bei der Geburt ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Mehrere körperliche, emotionale und äußere Faktoren spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Erstgeburt im Vergleich zu weiteren Geburten
Tut eine erste Geburt mehr weh als die folgende? Die meisten Ärztinnen, Ärzte und Hebammen sind sich einig: Ja.
Bei einer Erstgebärenden (Primipara) durchläuft der Körper diese mechanischen Veränderungen zum ersten Mal – insbesondere die Öffnung des Muttermundes und die Dehnung von Muskeln und Bindegewebe.
Hinzu kommt, dass die Anspannung und Unsicherheit beim ersten Kind häufig stärker ausgeprägt sind. Diese emotionale Komponente kann die Schmerzintensität zusätzlich verstärken.
Geburtspositionen
💡 Auch die Geburtsposition hat einen großen Einfluss auf das Schmerzempfinden.
Positionen, die die Beweglichkeit des Beckens einschränken (z. B. starres Liegen auf dem Rücken), können die Schmerzen verstärken.
Dagegen entlasten aufrechte Positionen wie die Hocke, der Vierfüßlerstand die Beckenstrukturen und reduzieren den Druck.
Diese Haltungen können dazu beitragen, die Wehen besser zu verarbeiten und als weniger schmerzhaft zu empfinden.
Erschöpfung, Stress und Angst
Während einer vaginalen Geburt sind viele Frauen bereits stark erschöpft, was ihre Fähigkeit, mit den Wehen umzugehen, beeinträchtigen kann.
Gleichzeitig können Stress, Angst und innere Anspannung den Geburtsverlauf negativ beeinflussen. Sie fördern Muskelverspannungen, die den Schmerz verstärken und die Wehenarbeit erschweren.
Manche Frauen entwickeln sogar eine ausgeprägte Angst vor der Geburt, die als Tokophobie bezeichnet wird.
Diese starke Furcht kann den Geburtsprozess erheblich belasten und die Schmerzen während der Entbindung deutlich verstärken.
Begleitung und medizinisches Umfeld
Das Geburtsumfeld und die Qualität der Betreuung haben einen großen Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung.
Ein ruhiger, respektvoller Rahmen, kombiniert mit der Unterstützung durch die Begleitperson sowie durch Hebammen und medizinisches Fachpersonal, trägt dazu bei, Stress und Anspannung zu reduzieren – und damit auch die Schmerzen.
Geburtsvorbereitung
Geburtsvorbereitungskurse sind in Deutschland ein zentraler Bestandteil der Betreuung werdender Eltern. Sie vermitteln:
- den Ablauf der Geburt,
- verschiedene Strategien zur Schmerzbewältigung.
Dadurch helfen sie:
- die Angst vor der Geburt zu verringern,
- die Fähigkeit zur aktiven Schmerzkontrolle während der Geburt zu verbessern.
Wie lassen sich Schmerzen während der Geburt lindern und bewältigen?
Hebammen und Geburtshelfer:innen verfügen über verschiedene nicht-medikamentöse Methoden sowie schmerzlindernde Medikamente, um Frauen in den unterschiedlichen Phasen der Geburt bestmöglich zu unterstützen.
Natürliche Methoden zur Schmerzlinderung
Bei einer vaginalen Geburt stehen dem geburtshilflichen Team mehrere natürliche Alternativen zur Verfügung, um die Schmerzen zu reduzieren:
- Eine ruhige, tiefe Atmung hilft, die Wehen besser zu verarbeiten.
Sie senkt den Stresspegel, fördert die Entspannung der Muskulatur und wird häufig von Frauen genutzt, die ohne Periduralanästhesie (PDA) gebären möchten. - Schmerzlindernde Geburtspositionen wie der Vierfüßlerstand, hängende Positionen oder die Nutzung eines Gymnastik- bzw. Pezziballs fördern die Beckenbeweglichkeit und reduzieren die Belastung der Bänder.
- Ein warmes Bad oder Wasseranwendungen (Hydrotherapie) wirken entspannend auf die Muskelfasern und können die Schmerzintensität deutlich senken.
- Ergänzend können Entspannungsverfahren wie zum Beispiel Hypnose angeboten werden. Diese Methode unterstützt die mentale Schmerzbewältigung während der Geburt und wird zunehmend auch in deutschen Kreißsälen eingesetzt.
Medizinische Möglichkeiten zur Schmerzlinderung
Periduralanästhesie (PDA)
Die PDA ist die bekannteste Form der medikamentösen Schmerztherapie während der Geburt.
Sie kann sowohl bei einer vaginalen Geburt als auch bei einem Kaiserschnitt eingesetzt werden.
Die Anästhesie, die von einer:einem Anästhesist:in durchgeführt wird, erfolgt durch eine Injektion im unteren Rückenbereich. Studien zeigen, dass sie bei etwa 75% der Gebärenden zu einer deutlichen Schmerzlinderung führt.
Die Wirkung setzt meist nach 10 bis 30 Minuten ein.
Allerdings geht die PDA häufig mit einer eingeschränkten Beweglichkeit einher und kann folgende Nebenwirkungen verursachen:
- Blutdruckabfall,
- vorübergehende Probleme beim Wasserlassen,
- Juckreiz,
- Taubheitsgefühle in den Beinen,
- Übelkeit oder Zittern.
Weitere schmerzlindernde Medikamente
Alternativ oder ergänzend können eingesetzt werden:
- Lachgas (Distickstoffmonoxid), das über eine Maske inhaliert wird und die Schmerzen erträglicher macht,
-
leichte Opioide, die intramuskulär oder intravenös verabreicht werden können.
Ihre Wirksamkeit ist jedoch individuell unterschiedlich und kann auch mit Nebenwirkungen einhergehen.
Welche Rolle spielen Hormone bei der Schmerzregulation während der Geburt?
Mehrere Hormone beeinflussen das Schmerzempfinden unter der Geburt:
-
Oxytocin fördert die Wehentätigkeit.
Synthetisches Oxytocin wird in der Geburtshilfe eingesetzt, um eine Geburt einzuleiten oder Wehen zu verstärken. - Endorphine wirken als körpereigene Schmerzmittel auf das Nervensystem und helfen, Schmerzen besser zu tolerieren.
- Stress und Angst hingegen erhöhen die Ausschüttung von Adrenalin, was die Schmerzwahrnehmung verstärken und den Geburtsverlauf erschweren kann.
Kann man wirklich völlig schmerzfrei gebären?
Mythos oder Realität?
💡 Schmerz ist eine sehr individuelle und subjektive Wahrnehmung, die stark vom Kontext, von den Erfahrungen und vom emotionalen Zustand beeinflusst wird.
Die Vorstellung einer natürlichen, völlig schmerzfreien Geburt existiert zwar, entspricht in der Praxis jedoch meist eher einer abgeschwächten oder gut kontrollierbaren Schmerzempfindung als einem vollständigen Fehlen von schmerzhaften Empfindungen.
Eine tatsächlich schmerzfreie Geburt ist insgesamt sehr selten.
Ein schwieriger Vergleich
Der Versuch, die Geburtsschmerzen mit anderen Schmerzarten zu vergleichen, ist wenig sinnvoll.
Es gibt keine objektive Skala, die Geburtsschmerzen eindeutig einordnet. Die Wahrnehmung bleibt zutiefst persönlich.
💡 Schmerzen zu empfinden oder Angst zu haben ist weder ein Versagen noch ein Zeichen mangelnder Vorbereitung. Jede Frau erlebt die Geburt auf ihre eigene Weise, und es gibt nicht den einen richtigen Weg, ein Kind zur Welt zu bringen.
Was jedoch möglich ist: sich auf eine bessere Schmerzbewältigung vorzubereiten.
Kann man sich auf die Geburt vorbereiten, um Schmerzen besser zu bewältigen?
Ja. Man kann lernen, die Schmerzen anzunehmen und besser mit ihnen umzugehen.
In deutschen Geburtskliniken und Geburtshäusern kommen dafür verschiedene Ansätze zum Einsatz.
Geburtsvorbereitungskurse
Geburtsvorbereitungskurse helfen der werdenden Mutter, den Ablauf der Geburt zu verstehen. Sie geben ihr gleichzeitig die Mittel, Körper und Geist auf die Schmerzbewältigung vorzubereiten:
- Die werdende Mutter erlernt Entspannungs- und Atemtechniken, die helfen, Angst und Stress zu reduzieren, selbst bei einer schwierigen und schmerzhaften Geburt.
- Die Beckenboden- und Dammmassage (in Absprache mit der Hebamme und/oder der behandelnden Gynäkologin) zielt darauf ab, die Elastizität des Dammbereichs vor der Geburt zu verbessern. Dies fördert ein besseres Nachgeben der Gewebe beim Durchtritt des Babys.
Nach der Geburt ist es wichtig, das Beckenbodentraining fortzuführen. Es hilft, häufige Harninkontinenz nach der Geburt zu vermeiden. In Deutschland können dafür Geräte wie Perifit Care oder Perifit Care+ verwendet werden, die eine sanfte Kräftigung des Beckenbodens zu Hause ermöglichen – nur wenige Minuten täglich.
Hierfür ist es nötig, das Ende des Wochenflusses abzuwarten und Rücksprache mit der Hebamme, Beckenboden-Physiotherapeutin oder gynäkologischer Ärztin zu halten.
Perifit Care+ kann von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden, wenn Sie ein Rezept von einer medizinischen Fachkraft haben.
Die Rolle der Partnerin oder des Partners
Die Anwesenheit und Unterstützung der Begleitperson ist für viele Frauen von großer Bedeutung.
Sie vermittelt ein Gefühl von Sicherheit, das sich positiv auf den Geburtsverlauf auswirken kann.
Der Partner oder die Partnerin kann helfen durch:
- Positionswechsel,
- Unterstützung bei Atmung und Entspannung,
- emotionale Begleitung während der gesamten Geburt.
💡 Gerade bei einer schmerzintensiven Geburt stellt diese Unterstützung einen wichtigen Stabilisierungsfaktor dar.
Die Intensität der Geburtsschmerzen ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich.
Schmerzen lassen sich nicht vollständig vermeiden, aber sie können reduziert und besser bewältigt werden.
Nach der Geburt ist die körperliche und emotionale Erholung ein zentraler Bestandteil des Wochenbetts und ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem guten postnatalen Wohlbefinden.
Quellen:
- OMS — Recommandations de l’OMS sur les soins intrapartum pour une expérience positive de l’accouchement
- CNGOF— Accouchement normal
- NIH- Birth: Learn More – Epidurals and other medications to relieve labor pain
- Ameli- Suite de couches
- https://register.awmf.org/assets/guidelines/001-038l_S1_Die-geburtshilfliche-Analgesie-und-Anaesthesie_2020-03.pdf
- https://www.buergerhospital-ffm.de/medizinische-fachbereiche/radiologie-anaesthesie-notfallmedizin/anaesthesie-und-kinderanaesthesie/schmerzlinderung-waehrend-der-geburt/opioide/

