Viele Menschen wünschen sich, die Geburt ihres Kindes bewusst und intensiv zu erleben. Deshalb entscheiden sie sich bewusst für eine Geburt ohne PDA, um eine physiologische Geburt zu erleben. Wir stellen Ihnen die Vorteile und möglichen Nachteile einer Geburt ohne Schmerzmittel vor und geben Tipps, wie Sie sich optimal darauf vorbereiten können.
Warum eine Geburt ohne PDA wählen?
Erfahren Sie die Vorteile einer Geburt ohne PDA, wenn die Entbindung in einem medizinisch sicheren Umfeld stattfindet.
Vorteile für die Mutter bei einer Geburt ohne PDA
Mehr Bewegungsfreiheit
💡 Ohne Anästhesie ist die gebärende Person nicht eingeschränkt in der Wahl ihrer Position.
Während des natürlichen Geburtsprozesses bleibt die Beweglichkeit erhalten, was den Verlauf der Geburt erleichtern kann. Besonders hilfreich sind verschiedene Positionen, die die Muttermundöffnung fördern und die Geburtsarbeit unterstützen:
- Auf allen Vieren
- Stehend
- Hockend
Aktive Mitwirkung bei der Austreibung
Eine Geburt ohne PDA geht in der Regel mit weniger geburtshilflichen Eingriffen einher. Bei vollständiger Muttermundöffnung werden die Empfindungen sehr gut wahrgenommen, sodass die Mutter effektiver pressen kann. Dies verringert das Risiko für Instrumentengeburten wie Saugglocke oder Zange.
Keine medikamentöse Belastung
Eine Geburt ohne PDA reduziert die Medikamentengabe. Die Mutter bleibt beweglich und spürt keine Betäubungseffekte oder andere mögliche Nebenwirkungen der Schmerzmittel.
Vorteile für das Baby bei einer Geburt ohne PDA
Studien zeigen, dass bestimmte Opioide, die während der Geburt verabreicht werden, die Plazentaschranke passieren können. Wenn sie zur Schmerzlinderung genutzt werden, auch bei einer PDA, kann dies beim Neugeborenen zu folgenden Effekten führen:
- Vorübergehende verminderte Wachsamkeit unmittelbar nach der Geburt
- Weniger effizientes Saugen in den ersten Stunden
Das Verzichten auf Anästhesie bringt also auch bestimmte Realitäten und Herausforderungen mit sich, die man vor der Entscheidung kennen sollte.
Nachteile und Realitäten bei einer Geburt ohne PDA
Starke Schmerzen
Bei einer Geburt ohne PDA sind die Schmerzen intensiver. Mit dem Fortschreiten der Geburtsarbeit werden die Wehen stärker, länger und treten häufiger auf, wodurch die Schmerzempfindung deutlich zunimmt.
Die Geburtserfahrung ist von Person zu Person unterschiedlich und hängt von mehreren Faktoren ab, darunter:
- Lage des Babys
- Dauer der Geburt
- Emotionale Befindlichkeit
Um diese Intensität der Schmerzen besser zu bewältigen, bietet eine Geburtsvorbereitung praktische Werkzeuge: Atemtechniken, Entspannungsübungen und Tipps zur natürlichen Schmerzlinderung. Ein Geburtsplan kann zudem vorab die individuellen Wünsche zur Schmerzbewältigung festlegen.
Auch ein aufmerksames Begleitteam, sei es der Partner oder das medizinische Personal, kann einen großen Unterschied machen, um die Kontrolle über das eigene Geburtserlebnis zu behalten und Erschöpfung zu reduzieren.
Unerwartete Situationen während der Geburt
Es ist wichtig zu bedenken, dass selbst bei risikoarmen Geburten bestimmte Situationen eine medizinische Intervention, inklusive einer PDA, erforderlich machen können.
Während der Geburtsarbeit kann das medizinische Team eine PDA anbieten, um die Schmerzen zu lindern oder der Mutter eine Erholung zu ermöglichen. Bestimmte klinische Situationen rechtfertigen ebenfalls diesen Schritt, zum Beispiel:
- Verlangsamung der Muttermundöffnung
- Veränderung der Herzfrequenz des Babys
- Andere Komplikationen, die die Sicherheit von Mutter oder Kind gefährden könnten
In solchen Fällen erfolgt die Entscheidung für eine PDA medizinisch, individuell und unter Berücksichtigung des Zustands von Mutter und Kind sowie weiterer klinischer Faktoren.
Wie fühlt sich eine Geburt ohne PDA wirklich an?
Physische Empfindungen – individuell unterschiedlich
💡 Die körperlichen Empfindungen während einer Geburt ohne PDA sind von Frau zu Frau sehr unterschiedlich.
Einige beschreiben diffuse, zunehmend häufigere Schmerzen, andere spüren starken Druck im Becken oder lokale Verspannungen im Rücken. Hinzu können Übelkeit, Zittern oder ein Absinken der Körpertemperatur kommen. Zudem steigt oft die körperliche Erschöpfung, je weiter die Wehen fortschreiten.
In diesem Zusammenhang helfen Atemtechniken, die in Geburtsvorbereitungskursen gelernt werden, sich auf den eigenen Körper zu konzentrieren und Spannungen zu reduzieren. Auch Positionswechsel des Beckens können die Schmerzbereiche entlasten.
Emotionale Erfahrungen – abhängig von der Phase der Geburt
Auf emotionaler Ebene durchläuft die gebärende Person verschiedene Phasen:
- Zu Beginn der Geburt steht eine hohe Konzentration im Vordergrund, die hilft, die Wehenschmerzen zu bewältigen.
- Manche Frauen erleben später eine Phase emotionaler Erschöpfung oder kurzzeitiger Verzweiflung, die in der Geburtsmedizin als „Verzweiflungsphase“ bezeichnet wird. Diese Phase, beschrieben u. a. von Michel Odent, einem bekannten Geburtsmediziner, tritt meist vor der Austreibungsphase auf.
Wie lange dauert eine Geburt ohne PDA durchschnittlich?
Die exakte Dauer einer Geburt lässt sich nicht vorhersagen, da jede Erfahrung einzigartig ist. Dennoch zeigt die physiologische Geburt eine eigene Dynamik, die oft zu einem flüssigeren Geburtsverlauf führt.
Richtwerte
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt für die aktive Phase der Geburt (beschleunigte Muttermundöffnung) folgende Orientierung:
- Erstgebärende (Primipara): ca. 12 Stunden
- Zweitgebärende oder mehr (Multipara): ca. 5–6 Stunden
Studien zeigen, dass die physiologische Geburt oft Stillstand im Geburtsverlauf vermeidet. Im Durchschnitt kann der Verzicht auf eine PDA die Gesamtdauer um etwa eine Stunde verkürzen, insbesondere dank einer schnelleren Austreibungsphase.
Möglicher Zeitgewinn ohne PDA
Drei Faktoren erklären den effizienteren Geburtsverlauf:
- Mobilität: Ohne Anästhesie bleibt die Bewegungsfreiheit vollständig erhalten. Gehen oder Positionswechsel nutzen die Schwerkraft, helfen dem Baby beim Abstieg und fördern die Muttermundöffnung.
- Hormonelles Zusammenspiel: Die natürliche Schmerzbewältigung stimuliert die Ausschüttung von Oxytocin. Der Körper reguliert selbst den Rhythmus der Wehen, wodurch synthetische Hormone seltener nötig sind.
- Instinktive Austreibung: Durch die erhaltenen Empfindungen wird der Pressdrang vollständig wahrgenommen, wodurch die Endphase gezielter und meist schneller abläuft.
Einflussfaktoren
Ohne PDA hängt die Dauer zusätzlich stark vom Gesamtkontext ab:
- Emotionaler Zustand: Ein Gefühl der Sicherheit fördert Oxytocin, während Stress Adrenalin freisetzt und die Geburt verlangsamen kann.
- Umgebung: Ruhe, Intimität und gedämpftes Licht sind natürliche Katalysatoren für die Muttermundöffnung.
- Vorbereitung: Wer den Intensitätsverlauf der Wehen begleiten kann, gestaltet jede Phase der Geburt effizienter.
Geburtsplan ohne PDA: Methoden zur Schmerzbewältigung
Die Geburtsvorbereitung (in Deutschland häufig von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen) hilft, Schmerzen während der Geburt besser zu bewältigen. Nachfolgend eine Übersicht.
Körperliche Vorbereitung
In der Schwangerschaft bereitet die körperliche Vorbereitung den Körper schrittweise auf die Belastungen der Geburt vor. Ziel ist es, der werdenden Mutter zu helfen, die Wehenschmerzen besser zu bewältigen.
Hebammen in Deutschland bieten dafür verschiedene pränatale Übungen an:
- Pränatal-Yoga: Fördert die Beckenmobilität und das Körperbewusstsein.
- Praktische Übungen: Halten einfacher Körperhaltungen zur Kraft- und Beweglichkeitsförderung.
- Atemtechniken: Zum Beispiel durch Singen oder Atemübungen, die während der Wehen helfen, ruhiger zu atmen und den Körper zu entspannen.
Mentale Vorbereitung
Die emotionale Vorbereitung ist besonders wichtig für eine Geburt ohne PDA. Ziel ist es, Stress und Ängste während der Geburt zu reduzieren und Selbstvertrauen sowie das Sicherheitsgefühl zu stärken.
In Deutschland werden folgende mentale Techniken häufig angeboten:
- Entspannungs- und Atemübungen
- Hypnose oder Visualisierungstechniken
-
Haptonomie (Bei der Schwangerschafts- und Geburtsbegleitung soll durch sanfte Berührungen eine Kontaktaufnahme mit dem Kind schon im Mutterbauch erreicht werden. In Deutschland noch nicht weit verbreitet, aber manche Hebammen bieten dies an.)
💡 Diese Methoden beseitigen die Schmerzen nicht vollständig, können aber helfen, die Wahrnehmung zu verändern und Angst während der Geburt zu reduzieren. Sie sind jedoch keine Methode, die Geburtsdauer zu verkürzen oder die Geburt zu beschleunigen.
Wahl des Betreuungsteams und des Geburtsortes
Die Unterstützung durch Hebamme und Ärztin/Arzt, die Aufmerksamkeit und kontinuierliche Begleitung sind entscheidend für die Erfahrung einer Geburt ohne PDA.
In Deutschland gibt es unterschiedliche Geburtsorte, die auf natürliche Geburten spezialisiert sind:
Geburtshaus
Ein Geburtshaus wird von Hebammen geführt und bietet eine Hebammenbetreuung mit Fokus auf physiologische Geburt.
-
Nur geeignet für Schwangerschaften mit niedrigem Risiko.
-
Kein vollwertiges medizinisches OP- und Anästhesieangebot, aber in der Regel enge Kooperation mit Kliniken, sodass bei Komplikationen ein schneller Transfer möglich ist.
-
Die Schmerzlinderung erfolgt hier über natürliche Methoden, z. B. Bewegung, Atemtechniken, Geburts-Pezziball oder warme Badewanne.
Klinikgeburt ohne PDA
Auch in Krankenhäusern ist eine Geburt ohne PDA möglich, sofern die Schwangerschaft risikoarm ist und die Klinik physiologische Geburten unterstützt.
- Viele Kliniken haben das „Babyfreundliche Krankenhaus“ (BFHI/IHAB-ähnlich) Zertifikat, das eine respektvolle Geburt und Bindungsförderung unterstützt.
- Kliniken unterscheiden sich nach Versorgungsstufen:
- Level I: Niedrigrisikogeburten
- Level II: Neonatologie
- Level III: Neonatale Intensivmedizin
Auch wenn eine vollständige technische Ausstattung vorhanden ist und PDA jederzeit möglich ist, kann bei keiner medizinischen Indikation die Geburt natürlich verlaufen. Methoden zur Schmerzkontrolle ohne PDA sind z. B. Atemtechniken, Beweglichkeit, warme Dusche oder Geburts-Pezziball.
Schmerzlinderung während einer Geburt ohne PDA
Wenn die Geburt ohne Anästhesie verläuft, beruht die Schmerzbewältigung auf verschiedenen nicht-medikamentösen Strategien. Die vertrauensvolle Begleitung durch Hebamme und Ärztin/Arzt in einem sicheren medizinischen Umfeld spielt dabei eine zentrale Rolle.
Atemtechniken, Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit, verschiedene Geburtspositionen einzunehmen, sind wertvolle Werkzeuge, um Wehen besser zu bewältigen.
Nachfolgend werden bewährte Methoden vorgestellt, die während der Geburt ohne PDA häufig angewendet werden.
Entspannung und Atemtechniken
Atemübungen helfen, die Schmerzwahrnehmung zu reduzieren:
- Einatmen durch die Nase, gefolgt von langem Ausatmen durch den Mund, fördert die Entspannung und unterstützt den Umgang mit den Wehen.
- Auch die Bauchatmung wird häufig genutzt, um Spannungen während der Geburt zu verringern.
MEOPA (Lachgas / Stickstoffmonoxid)
In Deutschland wird in Geburtshäusern und Kliniken häufig Lachgas (MEOPA) angeboten. Es wirkt schmerzlindernd und reduziert gleichzeitig Angst, während die Gebärende wach und bewusst bleibt.
Bewegungsfreiheit
Bestimmte Geburtspositionen sind besonders hilfreich bei einer Geburt ohne PDA:
- Gehen/Stehen
- Hocken
- Auf allen Vieren
💡 Diese Bewegungen entlasten den Schmerz und unterstützen die Abwärtsbewegung des Babys.
Wassergeburt / warme Wanne
Ein Warmwasserbad kann Muskelverspannungen lösen und die Geburtswehen angenehmer machen – sowohl gegen Ende der Schwangerschaft als auch in der frühen Geburtsphase.
Mit zunehmender Wehenintensität kann das Eintauchen in warmes Wasser, kombiniert mit Massagen, die Schmerzempfindung deutlich reduzieren.
Rückenmassagen und Gegenpressur
Bei Rückenschmerzen während der Geburt kann eine Massage des unteren Rückens die Rückenmuskulatur entspannen.
Wenn das Baby hinten im Becken liegt, hilft Gegendruck: Mit fester Druckausübung auf Lendenwirbel oder Kreuzbein werden die Schmerzen während der Wehen gemindert.
Kann man während der Geburt noch auf eine PDA wechseln?
Ja, eine gebärende Frau kann während der Geburt ihre Entscheidung ändern und um eine PDA bitten. Diese Frage sollte immer mit dem medizinischen Team besprochen werden. Die endgültige Entscheidung hängt ab von:
- Dem Fortschritt der Geburt, insbesondere nach Blasensprung
- Dem Gesundheitszustand der Mutter und des Fötus
- Dem Risikoprofil der Schwangerschaft
Wie Perifit die Rückbildung nach einer Geburt ohne PDA unterstützen kann
Unabhängig davon, ob die Geburt mit oder ohne Anästhesie erfolgt, ist die Rückbildung des Beckenbodens nach der Geburt essenziell.
Zahlreiche Studien zeigen, dass eine Beckenbodentherapie hilft, Harninkontinenz, die nach der Geburt häufig auftritt, zu reduzieren. In Deutschland beginnt diese Rückbildung in der Regel nach der Vorsorgeuntersuchung etwa sechs Wochen nach der Geburt.
Perifit hat eine Beckenboden-Sonde mit Smartphone-Anbindung entwickelt, die ein gezieltes Training zu Hause ermöglicht. Die Biofeedback-Technik zeigt die Kontraktionen des Beckenbodens in Echtzeit auf dem Smartphone an. So kann die Intensität der Übungen angepasst werden, was die optimale Rückbildung des Beckenbodens unterstützt.
Eine Geburt ohne PDA bleibt eine persönliche Entscheidung, die von den individuellen Erfahrungen, Erwartungen und Ressourcen abhängt. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass die PDA jederzeit während der Geburt eine Option bleiben kann, abhängig vom Geburtsverlauf und der medizinischen Einschätzung.
Quellen:
- Cochrane — Les diverses positions pour les femmes accouchant sans anesthésie péridurale
- Publimed -Epidural versus non-epidural or no analgesia for pain management in labour
- Publimed -Unintended effects of epidural analgesia during labor: a systematic review
- OMS-Apporter des soins individualisés pour que l’accouchement soit une expérience positive
- PMC-Physiology and management of normal labour
- ACOG - First and Second Stage Labor Management
- HAS-Accouchement normal : accompagnement de la physiologie et interventions médicales
- PMC— Relaxation techniques for pain management in labour
- Publimed- Pelvic floor muscle training for urinary incontinence in women
- https://hebammen-kugelrund.de/haptonomie/

