Geburtspositionen: Welche Haltung erleichtert die Geburt?

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Lange Zeit war die liegende Position beim Gebären die Norm. Heute steht werdenden Müttern deutlich mehr Bewegungsfreiheit zu. Die Wahl einer geeigneten Geburtsposition wirft jedoch viele Fragen auf – sowohl für die Gebärende als auch für ihre Begleitung. Welche Haltung fördert das Eintreten des Kindes, lindert den Schmerz oder unterstützt den Rhythmus der Wehen?


Wir erkunden gemeinsam die verschiedenen Möglichkeiten, ihre Wirkungen und die Situationen, in denen sie besonders hilfreich sein können.

Warum die Position während der Geburt wechseln?

Studien legen nahe, dass Bewegung, Gehen oder eine aufrechte Haltung während der Eröffnungsphase die Geburtsdauer verkürzen und den Bedarf an einem Kaiserschnitt oder einer PDA (Periduralanästhesie) reduzieren können.


Bei einer eingeleiteten Geburt etwa kann die Eröffnungsphase langsamer verlaufen – Bewegung und Positionswechsel sind dann besonders wertvoll, um die Muttermundseröffnung zu unterstützen.


Bewegung hilft außerdem, geburtsbedingte Schmerzen besser zu tolerieren, und fördert eine günstige Kindslage im Becken, was den Geburtsfortschritt erleichtert.


Positionswechsel sind unbedenklich, solange die eventuelle medizinische Überwachung (CTG, Infusion usw.) mit Ihren Bewegungen vereinbar ist.

💡 Aufrechte Haltungen und Bewegung fördern den Ferguson-Reflex. Wenn der Kopf des Kindes auf den Muttermund drückt, schüttet Ihr Gehirn natürliches Oxytocin aus. Dieses Hormon verstärkt die Wehentätigkeit. Aktive Positionen unterstützen so ganz natürlich den Fortschritt einer vaginalen Geburt.

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Welche Geburtspositionen gibt es während der Eröffnungsphase?

Während der Eröffnungsphase (vor dem Pressen) ist es vorteilhaft, mehrere Positionen abzuwechseln – zur eigenen Entlastung und um dem Baby beim Vorankommen zu helfen. Jede Geburtsposition hat ihre eigenen Vorteile.

Gehen und aufrechtes Stehen

Gehen oder aufrecht stehen ist eine hervorragende Möglichkeit, das Becken zu mobilisieren. Diese Positionen nutzen die Schwerkraft, um das Eintreten des Kindes zu begünstigen. Sie können Ihnen ein Gefühl von Selbstbestimmung geben und helfen, die Wehen besser zu bewältigen.


Sie können zum Beispiel zwischen den Wehen im Zimmer auf und ab gehen oder sich stehend an Ihrer Begleitung oder an einem stabilen Möbelstück abstützen.

Der Geburtsball

Auf einem Ball sitzen – ruhig oder mit leichten Bewegungen – mobilisiert das Becken bei gleichzeitiger Stabilität und fördert die Muskelentspannung. Diese Position regt außerdem die Durchblutung an und kann den Geburtsfortschritt unterstützen.


Sanfte Bewegungen wie Beckenkreisen oder leichtes Wippen zwischen den Wehen können Rückenschmerzen lindern und das Eintreten des Kindes fördern. Um stabil zu bleiben, sollten die Beine ausreichend gespreizt sein, die Füße fest auf dem Boden.

Die Hängehaltung (an der Begleitung oder einem Tuch abstützen)

Hierbei handelt es sich um eine aufrechte Position, bei der ein Teil des Körpergewichts durch eine Stütze getragen wird. Indem Sie die Arme um den Hals Ihrer Begleitung legen oder ein annder Decke befestigtes Tuch nutzen, können Sie die Becken- Muskulatur loslassen und gleichzeitig aktiv bleiben.


Die Hüften bleiben frei, das Becken öffnet sich unter der Wirkung der Schwerkraft, und die Beine ermüden weniger als beim reinen Stehen.


Diese Haltung bietet oft eine angenehme Dehnung des Rückens. Sie wird besonders bei einer Geburt ohne PDA geschätzt, da sie die Beckenmobilität fördert, das Mitgehen mit den Wehen erleichtert und ein bewussteres Körpergefühl ermöglicht.

💡 Ihre Geburtsbegleitung – ob Partner, Partnerin oder Doula – kann Ihnen auch den Kreuzbeinbereich massieren, um Rückenschmerzen zu lindern, und einen Positionswechsel vorschlagen, wenn Sie erschöpft sind. Die körperliche Unterstützung reduziert Erschöpfung und stärkt Ihr Sicherheitsgefühl.

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Welche Positionen eignen sich für die Austrittsphase?

Beim Pressen und der eigentlichen Geburt – der sogenannten Austrittsphase – stehen Ihnen ebenfalls verschiedene Geburtspositionen zur Verfügung.

Seitenlage

Die Seitenlage – auf der Seite liegend, mit dem oberen Bein gestützt – begünstigt eine progressive und körperschonende Geburt. Das Pressen verläuft langsamer als in aufrechter Haltung, was dem Dammgewebe mehr Zeit zum Nachgeben lässt.


Studien zeigen, dass diese Position seltener zu einer Episiotomie (einem chirurgischen Dammschnitt) führt als die Rückenlage.


Sie eignet sich auch bei einer PDA: Sie beugt dem Taubheitsgefühl in den Beinen vor und erhält die Durchblutung. Im Gegensatz zur Rückenlage vermindert sie das Risiko eines Kreislaufabfalls durch Kompression der Hohlvene.

Hockstellung oder Hängehaltung

Das Hocken ermöglicht es, die Schwerkraft voll zu nutzen und das Pressen effektiver zu gestalten. In dieser Haltung öffnet sich das Becken auf natürliche Weise – besonders mit einer Stütze unter den Armen, einer Haltestange oder einem stabilen Hilfsmittel.


Diese Position ist sehr wirkungsvoll, um den Geburtsfortschritt zu beschleunigen und dem Baby den Austritt zu erleichtern. Studien zeigen, dass sie mit weniger vaginaloperativen Entbindungen (z. B. mit Saugglocke oder Zange) verbunden ist,  als die klassische Rückenlage.


Sie kann auf dem Boden, auf dem Bett oder mit einem Geburtshocker eingenommen werden. Da diese Position die Beine stark beansprucht, ist eine teilweise Entlastung durch Hängehaltung sinnvoll, um Erschöpfung zu vermeiden.

Die Rückenlage

Die Rückenlage – auch Steinschnittlage genannt – ist in deutschen Kliniken nach wie vor weit verbreitet. Liegend, mit leicht erhöhtem Oberkörper und gestützten Beinen, erleichtert sie die medizinische Überwachung und eventuelle Eingriffe.


Für die Gebärende kann diese Position jedoch das Unbehagen verstärken und das Pressen erschweren. Die Schwerkraft wird nicht genutzt, und das Gewicht der Gebärmutter kann die Blutgefäße komprimieren. Das Risiko für Geburtsverletzungen ist in dieser Position erhöht.


In bestimmten medizinischen Situationen ist diese Lage notwendig. Ohne besondere Indikation haben Sie jedoch das Recht, Ihre Wünsche zu äußern und eine physiologischere Position zu erfragen.

Sitzende oder halbsitzende Position

Die sitzende oder halbsitzende Haltung – auf einem Hocker oder mit erhöhtem Rücken auf Kissen gestützt – bietet eine gute Balance zwischen Halt und Aufrichtung. Sie ermöglicht eine teilweise Nutzung der Schwerkraft beim Pressen.


Das Steißbein bleibt beweglicher als in der Rückenlage, ohne die Anstrengung einer längeren Hockstellung. Diese Haltung ist auch bei einer leichten PDA möglich. Es empfiehlt sich jedoch, die Neigung regelmäßig anzupassen – je nach Ihren Empfindungen – um den Geburtsfortschritt zu fördern.

Der Vierfüßlerstand

Auch wenn keine Position eine schmerzfreie Geburt garantieren kann, reduziert der Vierfüßlerstand den Druck auf den unteren Rücken und hilft, wehenbedingte Rückenschmerzen zu lindern.


Durch die Entlastung des Steißbeins gewinnt das Becken an Beweglichkeit – das hilft dem Baby, sich optimal zu positionieren, insbesondere bei hinterer Hinterhauptslage.

💡 Studien deuten darauf hin, dass diese Haltung auch den Damm schützt und das Risiko von Dammrissen verringert.

Legen Sie gerne Kissen unter Ihre Knie oder stützen Sie sich am Bettrand ab. Langsame Beckenkippungen – ähnlich der Katzenbuckel-Übung aus dem Yoga – können dem Baby helfen, sich deneinen Weg zu bahnen. Diese Position eignet sich gut für eine Geburt ohne PDA.

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Wie bereite ich mich auf die Geburtspositionen vor?

Üben Sie während der Schwangerschaft ruhig schon zuhause. Probieren Sie zum Beispiel den Vierfüßlerstand zum Dehnen des Rückens, oder nutzen Sie zu Hause einen Geburtsball, um Ihr Becken ans Bewegen zu gewöhnen.


Im Geburtsvorbereitungskurs – bei einer Hebamme oder in einer Kursgruppe – können Sie diese Positionen erkunden, Anspannungen loslassen und die Koordination von Atmung und Bewegung üben.


Sie können außerdem einen Geburtsplan erstellen, in dem Sie Ihre bevorzugten Positionen festhalten, damit das Team im Kreißsaal entsprechend darauf eingehen kann.


Im Vorfeld können Sie sich auch bei der Klinik erkundigen, welche Hilfsmittel verfügbar sind: Geburtsball, Halteseil, Geburtshocker und mehr.


Manche Kliniken und Geburtshäuser bieten zudem eine Wassergeburt an – eine Option, die Muskelentspannung fördert, Wehen besser erträglich macht und intuitive Positionswechsel begünstigt.

Kann man mit PDA die Position frei wählen?

Moderne ambulante PDA-Techniken arbeiten mit geringeren Anästhetikadosen, wodurch ein Teil der Körpergefühle und der Beinkraft erhalten bleibt.


In diesem Fall ist es manchmal möglich, auf einem Geburtsball zu sitzen, mit Unterstützung einige Schritte zu gehen oder den Vierfüßlerstand auf dem Bett einzunehmen. Eine Begleitung ist dabei jedoch unerlässlich, um Gleichgewichtsproblemen vorzubeugen.


Auch bei einer höher dosierten PDA ist es möglich, die Position im Bett zu wechseln: Seitenlage, halbsitzend oder kniend mit Abstützung.

💡 Die WHO empfiehlt, dass Frauen – mit oder ohne PDA – dazu ermutigt werden sollten, die für sie angenehmste Position einzunehmen, einschließlich einer aufrechten Haltung, wenn sie dies wünschen.

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Kann man während der Geburt die Position wechseln?

Eine Geburt ist ein dynamischer Prozess. Was Sie in einem Moment entlastet, kann kurz darauf unangenehm werden – und umgekehrt. Regelmäßige Positionswechsel sind möglich und sogar ausdrücklich empfohlen, da sie Ihren Komfort fördern und Ihrem Baby helfen, sich optimal zu positionieren.


Vertrauen Sie Ihren Körpersignalen. Oft führt Sie Ihr Körper intuitiv in die Haltung, die im jeweiligen Moment am meisten Erleichterung bringt – zum Beispiel, sich während einer Wehe nach vorne zu beugen und sich danach wieder aufzurichten.


Mit einer PDA oder einem kontinuierlichen CTG müssen Sie Ihre Bewegungen anpassen. Doch die Seite zu wechseln, sich aufzusetzen oder das Bett leicht zu neigen, ist meist weiterhin möglich. Das Kreißsaal-Team kann Sie dabei begleiten und unterstützen.

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Welche Positionen sind während der Geburt eher ungünstig?

Keine Position ist grundsätzlich verboten – entscheidend ist, dass Sie Ihrem Körper keine Haltung aufzwingen, die sich falsch anfühlt. Wenn eine Position Schmerzen verursacht oder Ihnen schwindelig wird, wechseln Sie sie.


Allerdings kann langes Liegen auf dem Rücken oder eine frühe Rückenlage die Wehentätigkeit bremsen und die Eröffnungsphase verlangsamen. In strikter Rückenlage kann die Gebärmutter zudem die Hohlvene komprimieren, was zu einem Blutdruckabfall und einer schlechteren Sauerstoffversorgung des Babys führen kann.


Diese Haltung sollte daher nicht zu lange eingenommen werden. Falls eine Rückenlage medizinisch notwendig ist, hilft ein Kissen unter der rechten Hüfte, die Durchblutung aufrechtzuerhalten.

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Wie stärkt man den Beckenboden nach der Geburt?

Ob Sie in der Hocke, auf der Seite oder auf dem Rücken geborenhaben – Ihr Beckenboden war in jedem Fall gefordert. Er braucht Zeit und eine gezielte Begleitung, um seine Kraft zurückzugewinnen.


Die Beckenbodenrehabilitation beginnt nach der Nachsorgeuntersuchung (6 bis 8 Wochen nach der Geburt), in Form von Kursen unter Anleitung einer Beckenbodenphysiotherapeutin oder einer Hebamme. Diese Begleitung dient dazu, den Muskeltonus zu beurteilen, die ersten Übungen anzuleiten und mögliche Gegenanzeigen auszuschließen.


Ergänzend entscheiden sich manche Frauen für Biofeedback-Geräte, um das Training zuhause fortzuführen. Vernetzte Beckenbodensonden ergänzen diese Rehabilitation sinnvoll – mit geführten, spielerischen und motivierenden Übungen.


Bei Perifit wird die Nutzung ab 6 Wochen nach der Geburt empfohlen, mit einem speziellen Postpartum-Programm. Eine Studie zeigt außerdem, dass 85 % der Nutzerinnen nach vier Monaten eine Reduktion von Harnverlusten verzeichneten.

Jede Geburt ist einzigartig – und die richtige Position ist vor allem die, die Ihnen in diesem Moment Erleichterung bringt. Aufrecht, auf der Seite, im Vierfüßlerstand oder halbsitzend: Diese Haltungen sind keine Pflicht, sondern Ressourcen, die Sie frei erkunden können – gemeinsam mit dem Team, das Sie begleitet.


Eine gute Vorbereitung in der Schwangerschaft – durch das Üben dieser Positionen und den Austausch mit Ihrer Hebamme – hilft Ihnen, die Eröffnungsphase mit mehr Vertrauen und Orientierung anzugehen.

Quellen:

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Lisa BRAUN
Beckenboden-Physiotherapeutin, Mutter und Gründerin von femphysio
Spezialisiert auf Frauengesundheit mit dem Fokus auf Schwangerschaft, Rückbildung und Beckenboden.