Am Ende der Schwangerschaft können ungewöhnliche Ausflussmengen viele Fragen aufwerfen. Der Schleimpfropf gehört zu den häufig genannten Geburts- Anzeichen, wird aber nicht immer richtig verstanden. Wozu dient er? Wie erkennt man ihn? Ist er ein Hinweis auf die bevorstehende Geburt? Dieser Artikel hilft Ihnen, den Überblick zu behalten und die richtigen Handlungsmaßnahmen zu kennen.
Was ist der Schleimpfropf?
Der Schleimpfropf ist eine geleeartige Schleimmasse, die sich im Gebärmutterhalskanal bildet – bereits zu Beginn der Schwangerschaft – unter anderem unter dem Einfluss von Hormonen wie Progesteron.
💡 Er verschließt den Gebärmutterhals und trägt dazu bei, die Gebärmutter und das Baby vor Bakterien und Infektionen aus der Scheide zu schützen.
Man beschreibt ihn oft als mechanische Barriere, doch er hat auch eine biologische Funktion: Studien haben gezeigt, dass der Schleimpfropf antimikrobielle Faktoren wie Lysozym, Lactoferrin und Defensine enthält, die bestimmte Mikroben hemmen können.
Wie sieht der Schleimpfropf aus?
Das Erscheinungsbild des Schleimpfropfs kann von Frau zu Frau stark variieren. Meist ist er durchsichtig bis weißlich, manchmal rosa, bräunlich oder mit Blutspuren durchzogen.
Die Konsistenz ist geleeartig, klebrig und manchmal faserig. Er kann etwa 1 bis 2 Esslöffel umfassen und einige Zentimeter groß sein. In der Regel ist er geruchlos.
Es kann vorkommen, dass etwas Blut im Schleim zu sehen ist, wenn sich der Gebärmutterhals verändert.
💡 Ein periodenstarkes leuchtend rotes oder länger anhaltendes Bluten sollte jedoch ärztlich abgeklärt werden.
Unterschiede zwischen Schleimpfropf und anderem Scheidenausfluss
Um Verwechslungen zu vermeiden und den Unterschied zwischen Schleimpfropf, weißen Ausfluss und Fruchtwasserverlust zu erkennen, zeigt die folgende Tabelle die drei häufigsten Situationen am Ende der Schwangerschaft:
| Schleimpfropf | Weißer Ausfluss | Fruchtwasserverlust | |
|---|---|---|---|
| Aussehen | Dickflüssiger, geleeartiger Schleim | Klar/weißlich, manchmal rosa/bräunlich oder mit Blutspuren | Sehr wässrig, klar oder leicht gelblich, manchmal rosa; kann grünlich/bräunlich sein bei Mekonium |
| Menge | Variabel, oft einmalig oder mehrere kleine Abgänge | Eher kleine bis moderate Mengen, häufig | Von wenigen Tropfen bis zu einem Schwall, kann kontinuierlich abfließen |
| Konsistenz | Klebrig, manchmal faserig | Flüssiger | Sehr flüssig, wie Wasser |
| Geruch | Gering/neutral | Sollte nicht unangenehm riechen | Kann diskret sein; Geruchsveränderungen → ärztlich abklären |
| Bedeutung | Der Gebärmutterhals beginnt sich zu verändern (Auflockern/Öffnung) | Schwangerschaftsbedingt normal, schützende Funktion | Blasensprung: schnell Hebamme oder Klinik kontaktieren, um Situation zu prüfen und Vorgehensweise zu klären |
💡 Wochenfluss (Lochien) sind vaginale Blutungen mit Gebärmutter-Schleimhaut nach der Geburt, hat nichts mit dem Schleimpfropf zu tun.
Wann verliert man den Schleimpfropf?
Der Schleimpfropf wird ausgeschieden, wenn sich der Gebärmutterhals auflockert und/oder sich öffnet (Dilatation im Zusammenhang mit der Geburt). Der Schleimpfropf löst sich ab und wandert in die Scheide, wodurch der Ausfluss zunimmt.
Am Ende der Schwangerschaft
Viele Schwangere verlieren ihren Schleimpfropf erst nach der 37. Schwangerschaftswoche (SSW), manchmal nur wenige Tage vor Beginn der Geburt (um die 39. SSW), zu Beginn der Geburt oder sogar unbemerkt.
Ein rosa gefärbter oder blutiger Schleim kann bis zu zwei Wochen vor der Geburt auftreten oder erst bei Einsetzen der Wehen sichtbar werden.
Früher Schleimpfropfverlust
Wenn Sie glauben, den Schleimpfropf vor der 37. SSW verloren zu haben, sollten Sie Ihre Hebamme oder die Geburtsklinik kontaktieren.
Oft ist dies harmlos, aber es ist ratsam, Frühgeburtsrisiken auszuschließen – besonders, wenn weitere Anzeichen wie regelmäßige Kontraktionen, Schmerzen oder Flüssigkeitsverlust auftreten.
Die Rolle der Gebärmutterhalsveränderung
Der Gebärmutterhals kann sich langsam verändern. Daher kann ein allmählicher Anstieg des Schleimausflusses, manchmal mit leichten Blutspuren, beobachtet werden, ohne dass die Geburt schon begonnen hat (regelmäßige, zunehmend stärkere Wehen).
Aus diesem Grund allein reicht der Verlust des Schleimpfropfs nicht aus, um den Geburtsbeginn genau zu bestimmen.
Kann man den Schleimpfropf mehrmals verlieren?
Der Schleimpfropf kann auf einmal oder nach und nach abgegeben werden. Manche Frauen bemerken nichts.
Es ist sogar möglich, einen Teil zu verlieren und später weitere Schleimmengen zu verlieren, da der Körper während der Schwangerschaft weiterhin Sekrete und Schleim produziert. Der Schleimpfropf kann sich daher teilweise wieder neu bilden.
💡 Der Verlust des Schleimpfropfs bedeutet nicht, dass die Geburt unmittelbar bevorsteht. Achten Sie vielmehr auf alle Anzeichen: regelmäßige Wehen, Fruchtwasserverlust, und andere Veränderungen.
Was tun nach dem Verlust des Schleimpfropfs?
Bleiben Sie ruhig und beobachten Sie sich selbst. Notieren Sie Uhrzeit, Aussehen (Farbe, Menge, Konsistenz) und das Vorhandensein von Schmerzen oder Wehen. Wenn Sie keine regelmäßigen Wehen haben und nicht vor der 37. Woche sind, besteht kein Grund, sofort in die Geburtsklinik zu gehen.
Wenden Sie sich schnell an eine Hebamme oder einen Arzt, wenn folgende Warnzeichen auftreten:
- starke Blutung;
- ungewöhnliche Schmerzen;
- Fieber oder Schüttelfrost;
- starker Flüssigkeitsverlust;
- verminderte Kindsbewegungen;
- Sie sind unter 37 Schwangerschaftswochen.
Eine Binde reicht aus, wenn der Ausfluss zunimmt. Tampons sind zu vermeiden. Wenn Sie einen Fruchtwasserverlust vermuten, verwenden Sie eine Slipeinlage, notieren Sie Farbe und Geruch und kontaktieren Sie sofort die Geburtsklinik.
Wann kann nach dem Schleimpfropfverlust die Geburt beginnen?
Das ist sehr individuell. Die Wehen können innerhalb von Stunden oder Tagen einsetzen, manchmal aber auch viel später. Der Verlust des Schleimpfops bedeutet vor allem, dass sich der Gebärmutterhals verändert, nicht, dass die Geburt unmittelbar beginnt.
Der Verlauf kann je nach Schwangerschaft unterschiedlich sein. Die Latenzphase (der Beginn der Geburt) kann bei erstgebärenden Frauen länger dauern, was den Zeitraum noch unvorhersehbarer macht.
Der Verlust des Schleimpfropfs ist meist ein normaler Prozess gegen Ende der Schwangerschaft. Wenn Sie lernen, ihn zu erkennen und die begleitenden Anzeichen zu unterscheiden, können Sie entspannter reagieren und einschätzen, wann Sie die Geburtsklinik oder Ihre Hebamme um Rat fragen sollten.
Quellen:
- What does it mean to lose your mucus plug? - ACOG
- Signs of labor: Know what to expect - Mayo Clinic
- Hein, M., Valore, E. V., Helmig, R. B., Uldbjerg, N., & Ganz, T. (2002). Antimicrobial factors in the cervical mucus plug. American journal of obstetrics and gynecology, 187(1), 137-144.
- Vaginal discharge in pregnancy - NHS
- Mucus Plug: What It Means & What It Looks Like - Cleveland Clinic
- As labour approaches - East Sussex Healthcare NHS Trust
- Pre-Labour Rupture of Membranes (Waters Breaking) - NHS Forth Valley
- Amniotic Fluid: Color, Smell, Function & Disorders - Cleveland Clinic
- Signs that labour has begun - NHS
- Mise en route du travail de l’accouchement - CHUV
- Reconnaître le début du travail - Institut national de santé publique du Québec
- Saignements vaginaux en fin de grossesse - Manuel MSD

