Ein Analprolaps ist eine Erkrankung, die viele Betroffene als belastend und schambesetzt erleben. Doch gezieltes Beckenbodentraining kann helfen, die Beschwerden spürbar zu lindern. Wenn Sie verstehen, wie diese Strukturen zusammenhängen, können Sie aktiv etwas für Ihre Beckenbodengesundheit tun.
Was ist ein Analprolaps?
Ein Analprolaps bezeichnet das Heraustreten von Schleimhaut oder Darmgewebe aus dem After. Im Gegensatz zum Rektumprolaps, bei dem sich der gesamte Mastdarm nach außen verlagert, betrifft der Analprolaps zunächst nur die innere Schleimhautschicht.
Man unterscheidet vier Schweregrade:
- Grad 1: Schleimhaut stülpt sich beim Pressen vor, zieht sich aber selbstständig zurück.
- Grad 2: Gewebe tritt beim Stuhlgang aus, zieht sich von selbst wieder zurück.
- Grad 3: Gewebe tritt aus und muss manuell zurückgeschoben werden.
- Grad 4: Gewebe liegt dauerhaft außerhalb und lässt sich nicht mehr reponieren.
Typische Symptome: Fremdkörpergefühl im After, Schleim- oder leichter Blutabgang, Juckreiz, Stuhlschmieren und das Gefühl unvollständiger Entleerung. Betroffen sind häufig Frauen nach der Menopause, Menschen mit chronischer Verstopfung sowie Personen mit geschwächtem Beckenboden.
Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie eine proktologische oder gynäkologische Praxis aufsuchen.
Zusammenhang zwischen Beckenboden und Analprolaps
Wie der Beckenboden den Enddarm unterstützt
Der Beckenboden ist ein Geflecht aus Muskeln, Bändern und Bindegewebe, das alle Beckenorgane trägt. Der Musculus levator ani bildet eine Art Hängematte, die den Mastdarm in seiner anatomischen Position hält. Ist diese Muskulatur stark und koordiniert, bleibt der Darm stabil, auch beim Husten, Niesen oder Pressen.
Schwacher Beckenboden als Risikofaktor
Ein schwacher Beckenboden vermindert die Stützfunktion für den Enddarm. Bei erhöhtem intraabdominalem Druck, etwa beim Heben, Husten oder Stuhlgang, kann Schleimhaut oder Gewebe nach unten gleiten.
Häufigste Ursachen:
- Vaginale Geburten, insbesondere mit langer Austreibungsphase oder Dammrissen
- Hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren (Östrogenmangel)
- Chronische Verstopfung mit häufigem starkem Pressen
- Übergewicht oder chronischer Husten
Einfluss von Schwangerschaft, Geburt und Alter
Schwangerschaft und vaginale Geburt gehören zu den stärksten Belastungen für den Beckenboden. Mit zunehmendem Alter verliert das Bindegewebe an Elastizität und der Östrogenspiegel sinkt, was die Muskelspannung verringert. Dies erklärt, warum ein Analprolaps häufiger bei Frauen über 50 Jahren auftritt.
Kann Beckenbodentraining bei Analprolaps helfen?
Ja. Bei Grad 1 und 2 kann regelmäßiges Training die Symptome deutlich verbessern: Es stärkt den Musculus Levator ani, verbessert die Kontrolle über den Analschließmuskel und reduziert das Gefühl von Schwere oder Druck. Studien belegen, dass Beckenbodentraining die Schließmuskelfunktion verbessert und die Lebensqualität steigert. Es ersetzt keine ärztliche Behandlung, ist aber eine wirksame konservative Ergänzung.
Die besten Beckenbodenübungen bei Analprolaps
1. Klassische Kegelübungen (Beckenbodenkontraktion)
Die Kegelübungen bei Analprolaps trainieren gezielt den Musculus levator ani und den Analschließmuskel.
- Legen Sie sich auf den Rücken, Knie leicht angewinkelt.
- Stellen Sie sich vor, den Urinfluss zu unterbrechen und gleichzeitig den After zusammenzuziehen.
- Kontraktion mit einer Ausatmung für 5 bis 10 Sekunden halten, dann gleich lang mit einer Einatmung entspannen.
- 10 Wiederholungen, dreimal täglich.
💡 Gesäß, Oberschenkel und Bauch entspannt lassen. Ruhig weiteratmen. Das Anhalten der Luft erhöht den Druck im Bauchraum.
2. Schnelle Kontraktionen (Fast-Twitch-Training)
Für die Reaktionsschnelligkeit bei plötzlichen Druckspitzen wie Husten oder Niesen:
- Beckenboden kräftig und schnell zusammenziehen, sofort wieder loslassen.
- 10 bis 15 schnelle Kontraktionen, Pause 30 Sekunden, zweimal wiederholen.
- Dabei normal weiter atmen. Nicht die Luft anhalten.
3. Rückenlage mit erhöhtem Becken
Diese Position nutzt die Schwerkraft zu Ihrem Vorteil und erleichtert die korrekte Aktivierung.
- Kissen oder zusammengerollte Decke unter das Steißbein legen.
- In dieser Lage klassische Kegelübungen durchführen.
4. Entspannungsübungen
Ein dauerhaft angespannter Beckenboden kann Symptome verschlimmern. Gezieltes Entspannen ist ein ebenso wichtiger Teil des Trainings wie die Kräftigung.
- In die Kindshaltung oder Rückenlage mit angewinkelten Knien.
- Tief in den Bauch atmen, sodass sich die Bauchdecke hebt.
- Beim Ausatmen vorstellen, wie der Beckenboden sich weich nach unten öffnet. 5 bis 10 Atemzüge halten.
5. Kniebeugen mit Beckenbodenaktivierung
Leichte Kniebeugen ergänzen das Training sinnvoll, wenn der Beckenboden in der Aufwärtsbewegung aktiv mitarbeitet.
- Hüftbreit hinstellen, Knie langsam beugen (nicht tiefer als 90°).
- Beim Hochkommen: Beckenboden mit einer Ausatmung nach oben zusammenziehen. Beim Heruntergehen: entspannen.
- Nie die Luft anhalten. Grundregel: Aktivierung vor Belastung.
Wie kann Perifit bei einem Analprolaps helfen?
Der Perifit Care und der Perifit Care+ sind Beckenbodentrainer mit integriertem Biofeedback.
Bei Grad 1 und 2 können die Sonden helfen, Symptome wie Schwere- oder Druckgefühl im Beckenbereich zu lindern. Sie können den Grad des Prolaps weder verbessern noch umkehren und eine Progression nicht verhindern.
Da bei einem Prolaps die korrekte Übungstechnik besonders wichtig ist, empfehlen wir Ihnen ausdrücklich, mit einer Beckenbodenphysiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass Ihre Übungen auf Ihren individuellen Befund abgestimmt sind.
Kann sich ein Analprolaps von alleine zurückbilden?
Das hängt vom Schweregrad ab. Bei Grad 1 kann konsequentes Beckenbodentraining kombiniert mit Stuhlregulierung die Symptome stabilisieren oder deutlich reduzieren. Eine vollständige spontane Rückbildung ist jedoch selten.
Ab Grad 2 ist eine ärztliche Abklärung unerlässlich; ab Grad 3 und 4 sind operative Eingriffe häufig notwendig.
Was die Chancen begünstigt:
- Frühzeitiger Beginn des Beckenbodentrainings
- Verstopfung vermeiden: ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend trinken
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht
- Chronischen Husten behandeln
Je früher ein Analprolaps erkannt und behandelt wird, desto besser die Aussichten. Warten Sie nicht zu lange mit einem Arztbesuch.
Welche Sportarten sollte man bei Analprolaps meiden?
Aktivitäten mit hohem intraabdominalem Druck oder starken Stoßbewegungen sollten Sie mit Vorsicht angehen:
- Schweres Gewichtheben: lieber leichtere Gewichte, Beckenboden vor jeder Belastung aktivieren.
- HIIT, Trampolinspringen, Seilspringen: starke Stoßbelastungen, vorerst meiden.
- Intensives Laufen: leichtes Laufen auf ebenem Untergrund kann bei Grad 1 verträglich sein.
- Crunches und Sit-ups: erhöhen den intraabdominalen Druck deutlich und sind kontraindiziert.
Gut geeignete Alternativen:
- Pilates: tiefe Körperstabilität, Atemkontrolle
- Yoga: Entspannung und sanfte Kräftigung
- Schwimmen: entlastet den Beckenboden vollständig
- Walken: schonend und effektiv
Sprechen Sie mit Ihrer Physiotherapeutin oder Ihrem Arzt, bevor Sie mit einem neuen Sportprogramm beginnen.
Gezieltes Beckenbodentraining, die Unterstützung einer Fachkraft und bei Bedarf ein Biofeedback-Trainer wie Perifit können bei einem Analprolaps Grad 1 oder 2 die Beschwerden deutlich lindern. Warten Sie nicht: Je früher Sie handeln, desto größer Ihre Chancen auf eine nachhaltige Verbesserung.
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