Ein Ziehen im Unterbauch, ein diffuses Druckgefühl, das immer wieder auftaucht – und Sie fragen sich, ob das normal ist. Unterleibsschmerzen in den Wechseljahren sind häufig, aber ihre Ursachen sind vielfältig: gynäkologisch, verdauungsbedingt, urologisch oder muskulär. Weil der Körper in dieser Phase tiefgreifende hormonelle Veränderungen durchläuft, kann fast jedes System betroffen sein. Das Gute: Wer die Ursache kennt, kann gezielt handeln. Hier erfahren Sie, was hinter den Beschwerden stecken kann, welche Maßnahmen wirklich helfen – und wann ein Arztbesuch nicht aufzuschieben ist.
Warum treten in den Wechseljahren Unterleibsschmerzen auf?
Die Wechseljahre gehen mit einem deutlichen Abfall des Östrogenspiegels einher. Dieser hormonelle Umbruch wirkt sich auf den gesamten Körper aus – nicht nur auf Gebärmutter und Eierstöcke. Auch Verdauung, Muskeltonus und Harnwege können betroffen sein.
Deshalb können manche Frauen mehr oder weniger diffuse Schmerzen im Unterbauch verspüren. Sie treten gelegentlich auf oder kehren regelmäßig wieder – je nach Ursache. Nicht jede Frau ist betroffen, aber diese Beschwerden gehören zu den häufigen Begleiterscheinungen dieser Lebensphase.
Die häufigsten Ursachen für Unterleibsschmerzen in den Wechseljahren
Ein besseres Verständnis der Beschwerden ist oft der erste Schritt zur wirksamen Linderung im Alltag.
Gynäkologische Ursachen
Einige Frauen klagen über Unterleibsschmerzen ohne Regelblutung – was zunächst verwirrend sein kann. Nach der Menopause wird die Vaginalschleimhaut dünner und trockener. Das kann zu Ziehen, Reizungen oder Beschwerden beim Geschlechtsverkehr führen.
Manche Frauen leiden auch an Gebärmuttermyomen. Auch wenn diese nach dem Ende der Regelblutung oft schrumpfen, können sie weiterhin Schmerzen im Bereich der Eierstöcke oder des Unterbauchs verursachen.
Eine Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur kann zudem zu einem Organsenkung führen – häufig spürbar als Schweregefühl oder Druck im Unterbauch.
💡 Beschwerden und Trockenheit der Vagina sind häufige Folgen des Östrogenabfalls. Eine auf den Beckenboden spezialisierte Physiotherapeutin kann helfen, diese Symptome gezielt zu behandeln – sprechen Sie auch Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt auf Östrogencremes (s.u.) an.
Verdauungs- und Darmbeschwerden
Die hormonellen Veränderungen der Wechseljahre können die Verdauung beeinträchtigen. Die Darmtätigkeit verlangsamt sich manchmal, was zu Blähungen, Völlegefühl oder einem aufgeblähten Bauch führt.
Bei manchen Frauen tritt in dieser Phase ein Reizdarmsyndrom (RDS) auf oder verstärkt sich. Dieses häufig stressbedingte Leiden verursacht Bauchschmerzen, die mitunter schwer von gynäkologischen Beschwerden zu unterscheiden sind.
Schmerzen im linken Unterbauch können auf eine Divertikulitis hinweisen, Schmerzen im rechten Unterbauch an eine Appendizitis denken lassen. In beiden Fällen ist eine ärztliche Abklärung empfehlenswert.
Harnwegsinfektionen und Beckenbodenbeschwerden
Nach der Menopause werden die Harnwege anfälliger. Der sinkende Östrogenspiegel macht sie empfindlicher – besonders bei Frauen, die zu Blasenentzündungen neigen. Diese Beschwerden gehen häufig mit Unterleibsschmerzen, Brennen beim Wasserlassen und häufigem Harndrang einher.
Gleichzeitig verliert die Beckenbodenmuskulatur an Tonus. Diese Erschlaffung kann zu einem Schweregefühl und leichtem Harnverlust führen. Symptome, die oft bagatellisiert werden – dabei verdienen sie ernsthafte Aufmerksamkeit.
Weitere mögliche Ursachen
Manchmal haben die Schmerzen seltenere Ursachen. Endometriose tritt zwar häufiger während der fruchtbaren Jahre auf, kann aber nach der Menopause weiter bestehen – besonders bei laufender Hormonersatztherapie.
Auch Eierstockzysten können neu auftreten oder bestehen bleiben. Gelegentlich können Unterleibsschmerzen nach dem 60. Lebensjahr auf ein schwerwiegenderes Problem hinweisen, wie etwa einen Gebärmutter- oder Eierstockkrebs. Dies ist nicht die häufigste Ursache – sollte aber nicht ausgeschlossen werden und immer ärztlich abgeklärt werden.
Was hilft gegen Unterleibsschmerzen in den Wechseljahren?
Es gibt konkrete Möglichkeiten, das Wohlbefinden zu verbessern – auf natürlichem Weg oder mit professioneller Unterstützung.
Entzündungshemmende Ernährung
Eine Ernährung reich an Ballaststoffen, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und gesunden Fetten kann helfen, Entzündungen zu lindern. Omega-3-Fettsäuren – enthalten in fettem Fisch, Samen und bestimmten Pflanzenölen – wirken sich positiv auf den Hormonhaushalt und die Verdauung aus.
Es empfiehlt sich außerdem, stark zuckerhaltige Lebensmittel, Alkohol und stark verarbeitete Produkte einzuschränken. Mit einer ausgewogenen Ernährung können manche Beschwerden innerhalb weniger Wochen deutlich nachlassen.
Ausreichend trinken und Verstopfung vorbeugen
Regelmäßiges Trinken über den Tag hinweg unterstützt sowohl das Harnsystem als auch die Verdauung. Eine gute Flüssigkeitszufuhr hilft, Infektionen vorzubeugen und Verstopfung zu reduzieren – ein häufiges Begleitproblem in den Wechseljahren.
Ballaststoffe aus Gemüse, frischen Früchten und Vollkornprodukten fördern einen geregelten Stuhlgang. Sanfte Bewegung wie Spazierengehen oder Yoga verbessert zusätzlich die Verdauung.
Beckenbodenübungen
Regelmäßiges Beckenbodentraining kann helfen, Schweregefühl und Harnverlust zu reduzieren und den Alltag spürbar angenehmer zu machen. Kegel-Übungen sind dabei besonders wirksam: Wenige Minuten täglich genügen. Eine Begleitung durch eine Beckenbodenphysiotherapeutin ist eine wertvolle Ergänzung.
Für ein gezieltes Training nutzen manche Frauen vernetzte Biofeedback-Sonden wie den Perifit Care+. Diese Geräte ermöglichen es, Kontraktionen in Echtzeit über eine App zu visualisieren – das macht das Training präziser und motivierender.
💡 Mit dem Perifit-Beckenbodentrainer konnten 85% der Nutzerinnen ihren Harnverlust nach 4 Monaten Training reduzieren. Geführte Übungen, spielerisches Feedback, keine Vorkenntnisse nötig.
Medizinische und hormonelle Behandlungen
Je nach Ursache kommen verschiedene Behandlungsansätze in Betracht. Östrogencreme oder -zäpfchen werden häufig bei vaginaler Trockenheit eingesetzt. Bei Infektionen ist eine antibiotische Therapie manchmal notwendig. Sind die Beschwerden verdauungsbedingt, können bestimmte Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel Erleichterung bringen.
Bei komplexeren Fällen kann nach einer umfassenden Untersuchung eine Hormonersatztherapie (HET) in Betracht gezogen werden. Sprechen Sie Ihre Beschwerden offen mit Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen an – es gibt wirksame Lösungen, auch nach der Menopause.
Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?
Manche Schmerzen sind leicht und vorübergehend. Aber Unterleibsschmerzen nach dem 50. Lebensjahr sollten nicht ignoriert werden, wenn sie anhalten, sich verschlimmern oder plötzlich auftreten.
Konsultieren Sie zeitnah eine Ärztin oder einen Arzt bei:
- Blutungen nach der Menopause
- unerklärlichem Gewichtsverlust
- ungewöhnlicher Harnverlust oder starkem Harndrang
- anhaltender Müdigkeit oder Erschöpfung
- starken oder plötzlich einsetzenden Schmerzen, begleitet von Fieber
Grundsätzlich rechtfertigen Eierstockschmerzen nach der Menopause immer eine ärztliche Abklärung. Eine gynäkologische Untersuchung, ein Ultraschall oder Blutuntersuchungen ermöglichen eine präzise Diagnose und eine angepasste Behandlung.
💡 Bei starken oder plötzlichen Schmerzen, Fieber, Blutungen oder Bewusstseinsveränderungen sollten Sie umgehend eine Notaufnahme aufsuchen oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst kontaktieren (116 117).
Unterleibsschmerzen in den Wechseljahren sind real – und sie haben eine Erklärung. Ob hormonell bedingt, muskulär oder verdauungsbedingt: In den meisten Fällen lassen sich die Beschwerden mit den richtigen Maßnahmen deutlich lindern. Ernährung, Bewegung, gezieltes Beckenbodentraining und bei Bedarf medizinische Unterstützung bilden dabei ein wirksames Zusammenspiel. Hören Sie auf Ihren Körper, nehmen Sie Veränderungen ernst – denn: Diese Lebensphase lässt sich aktiv gestalten, damit Sie sich wohl fühlen.
Quellen:
- https://www.menopause-gesellschaft.de/urogenitale-beschwerden
- https://reseaudelendometriose.com/carrefour-endo/guide-a-lintention-des-personnes-atteintes-dendometriose-la-menopause/
- https://www.msdmanuals.com/fr/accueil/probl%C3%A8mes-de-sant%C3%A9-de-la-femme/sympt%C3%B4mes-des-maladies-gyn%C3%A9cologiques/douleurs-pelviennes-chez-la-femme




