Eine Geburt tritt normalerweise zwischen der 37. und 41. Schwangerschaftswoche ein. Gegen Ende der Schwangerschaft bereitet sich der Körper nach und nach auf die Geburt vor. Einige subtile Anzeichen können bereits Tage oder Wochen vor der Geburt auftreten. Andere Symptome zeigen sich einige Tage vor dem eigentlichen Geburtstermin. Hier sind alle wichtigen Informationen zu den Geburtssymptomen.
Vorboten der Geburt
Diese Veränderungen sind Geburtszeichen ohne Wehen: Sie zeigen, dass sich der Körper auf die Geburt vorbereitet, noch bevor die ersten Schmerzen einsetzen.
Verlust des Schleimpfropfs
💡 Der Schleimpfropf verschließt den Muttermund bis zum Ende der Schwangerschaft und bildet so eine schützende Barriere zwischen Vagina und Gebärmutter.
Gegen Ende der Schwangerschaft kann beim Toilettengang eine dickliche, geleeartige oder fadenförmige Sekretion auftreten, die weiß, bräunlich, rosa oder blutig durchzogen ist.
Einige Schwangere bemerken den Schleimpfropf jedoch nicht, da er sich optisch oft mit den üblichen Schwangerschaftssekreten vermischt.
Der Verlust des Schleimpfropfs kann zu verschiedenen Zeitpunkten gegen Ende der Schwangerschaft auftreten, ohne dass er den genauen Beginn der Geburt vorhersagen kann.
Nestbau-Syndrom
Im dritten Trimester berichten manche Frauen von einem Energieanstieg, den sie häufig nutzen, um Wohnraum vorzubereiten, zu organisieren oder zu reinigen, bevor das Baby kommt.
Wissenschaftlich ist dieses Phänomen umstritten. Keine medizinische Publikation hat bisher seine Häufigkeit nachgewiesen. Manche Studien deuten sogar darauf hin, dass der Ursprung eher in populären und soziokulturellen Erzählungen liegt als in wissenschaftlich belegten Fakten.
Absinken des Babys
💡 Das Absinken des Babys ist ein deutliches, eindeutiges Zeichen dafür, dass sich der Körper zunehmend auf die Geburt vorbereitet.
Gegen Ende der Schwangerschaft tritt der kindliche Kopf tiefer in das mütterliche Becken ein – ein Vorgang, der als „Senkung“ oder fachsprachlich als Engagement bezeichnet wird.
Dabei richtet sich das Baby optimal zur Beckenachse aus. Der Kopf findet seinen Weg in den Beckeneingang und nimmt Kontakt zu den knöchernen und muskulären Strukturen auf. Für den Körper der Mutter bedeutet das eine spürbare Veränderung der Statik: Der Druck auf Zwerchfell und Magen nimmt häufig ab, wodurch das Atmen wieder leichter fällt. Gleichzeitig erhöht sich der Druck auf Beckenboden, Blase und Beckenstrukturen.
Der Beckenboden reagiert auf diese neue Belastung mit einer Anpassung seiner Muskelspannung. Idealerweise kann er sowohl tragend stabilisieren als auch flexibel nachgeben – eine wichtige Voraussetzung für den weiteren Geburtsverlauf. Manche Frauen spüren in dieser Phase ein verstärktes Ziehen im Becken, im unteren Rücken oder ein vermehrtes Druckgefühl nach unten. All das sind Zeichen dafür, dass das Zusammenspiel von Kind, Becken und Muskulatur in Vorbereitung auf die Geburt geht.
Schwangere beschreiben häufig eines oder mehrere der folgenden Symptome:
- Zunehmender Druck im Becken
- Schmerzen in der Leistengegend oder am Schambein
- Häufigerer Harndrang
- Einschränkungen beim Gehen
- Rückenschmerzen Manchmal wirkt der Bauch auch tiefer liegend.
Wenige Studien beschäftigen sich mit diesem Thema, aber eine geburtshilfliche Studie aus dem Jahr 1975 zeigte, dass in 80 % der Fälle die Geburt mindestens 14 Tage nach dem Engagement, also dem Absinken des Kopfes erfolgte. Leistenschmerzen können ein Zeichen für eine baldige Geburt sein, da sie zeigen, dass sich der Kopf des Babys tief ins Becken bewegt.
Übungswehen
Einige Frauen spüren bereits im zweiten oder dritten Trimester Kontraktionen, die als Übungswehen oder auch Braxton-Hicks-Kontraktionen bezeichnet werden. Diese führen weder zu einer Muttermundöffnung noch zu einem Geburtsbeginn und verschwinden meist bei Ruhe oder Positionswechsel.
Es ist wichtig, sie nicht mit den richtigen Wehen zu verwechseln, die regelmäßig, zunehmend stark und muttermundwirksam sind.
Zeichen für eine bevorstehende Geburt
Einige Symptome, die Hebammen gut kennen, deuten auf eine unmittelbare Geburt hin.
Blasensprung
Das Platzen der Fruchtblase ist ein klassisches Anzeichen vor der Geburt. Es kann sich zeigen durch:
- starken, klaren Flüssigkeitsfluss
- kontinuierlichen Tropfen von Fruchtwasser
Bei einem kleinen Riss der Fruchtblase ist es manchmal schwer, Fruchtwasser von gewöhnlichem Vaginalausfluss zu unterscheiden. Merke: Fruchtwasser ist meist geruchlos und durchsichtig und kann nicht zurückgehalten werden.
💡 Egal ob der Blasensprung klar oder unvollständig ist: Es wird empfohlen, sofort in die Klinik zu fahren, um die Situation zu prüfen. Die Hebamme kann feststellen, ob es sich um Fruchtwasser handelt oder nicht.
Manchmal beginnen die Wehen nicht von selbst. Frauen werden zur Überwachung in eine geburtshilfliche Abteilung aufgenommen, da ein Infektionsrisiko besteht.
Nach einem vorzeitigen Blasensprung entwickeln circa 60% der Frauen Wehen innerhalb von 24 Stunden. Eine Geburtseinleitung sollte nach 24 Stunden angeboten werden, wie es die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in Ihrer Leitlinie empfiehlt.
Regelmäßige und schmerzhafte Wehen
Regelmäßige, schmerzhafte Wehen sind das zuverlässigste Anzeichen für den Geburtsbeginn. Sie bewirken die Öffnung des Muttermundes und leiten die Geburt ein.
Rücken- und Beckenschmerzen
Diese Wehen gehen manchmal mit Rückenschmerzen oder Ziehen im Unterbauch einher. Der Schmerz kann in Becken und Hüften ausstrahlen, insbesondere wenn die Fruchtblase bereits geplatzt ist.
Rektaler Druck oder Pressdrang
Der Drang zu pressen ist häufig ein Anzeichen für eine nahe Geburt. Er geht oft mit intensiven, regelmäßigen Wehen einher. Da das Baby auf das Rektum, also den Enddarm drückt, wird dies manchmal mit Stuhldrang verwechselt.
Wenn der Drang zum Pressen nicht mehr kontrollierbar ist, hat sich der Muttermund vollständig geöffnet und die Austreibungsphase beginnt. Dies ist ein eindeutiges Signal, dass die Geburt unmittelbar bevorsteht. In dieser Situation ist es wichtig, ruhig zu bleiben und sofort medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen oder direkt in die Klinik zu fahren, damit Mutter und Baby bestmöglich betreut werden.
Die Kombination aller beschriebenen Symptome entspricht den Zeichen einer bevorstehenden Geburt und deutet darauf hin, dass die Geburt innerhalb weniger Stunden erfolgen kann.
Wie erkennt man den Unterschied zwischen falschen und echten Wehen?
Falsche Wehen
Wie bereits erwähnt, sind irreguläre Kontraktionen gegen Ende der Schwangerschaft nicht ungewöhnlich. Sie können den Eindruck erwecken, dass die Geburt beginnt.
Diese Wehen haben keinen Einfluss auf die Öffnung des Muttermundes:
- Sie sind unregelmäßig.
- Sie verschwinden bei einem warmen Bad oder bei einem Positionswechsel.
- Ihre Dauer bleibt relativ kurz.
Diese Kontraktionen gehen nicht mit anderen Anzeichen einer bevorstehenden Geburt einher. Übungswehen sind nicht gefährlich. Sie zeigen lediglich, dass sich der Körper allmählich auf die Geburt vorbereitet.
Echte Wehen
Echte Wehen sind langanhaltend, intensiv und regelmäßig. Im Gegensatz zu Übungswehen hören sie weder durch Ruhe noch durch Positionswechsel auf.
Ein praktischer Hinweis ist die 5-1-1-Regel, um zu erkennen, ob die aktive Geburt begonnen hat:
- Alle 5 Minuten treten Kontraktionen auf.
- Jede Wehe dauert mindestens 1 Minute.
- Dies wiederholt sich mindestens 1 Stunde lang.
💡 Wenn diese drei Bedingungen erfüllt sind, hat die aktive Geburt wahrscheinlich begonnen.
Unterscheiden sich die Geburtszeichen beim ersten Kind oder bei Mehrgebärenden?
Im Allgemeinen sind die Symptome der Geburt gleich für:
- Erstgebärende (Primipara)
- Mehrgebärende (Multipara)
Bei Mehrgebärenden verläuft der Geburtsprozess häufig schneller als bei Erstgebärenden.
Was tun, wenn die ersten Geburtsanzeichen auftreten?
Ruhig bleiben und auf den Körper hören
Wenn die Wehen beginnen, ist es wichtig, ihre Entwicklung zu beobachten. Einige Anzeichen wie:
- Verlust des Schleimpfropfs,
- Gefühl von Druck im Becken,
- unregelmäßige Kontraktionen,
Zeigen, dass sich die Geburt vorbereitet, aber der Geburtsbeginn ist möglicherweise noch nicht unmittelbar.
Es ist sinnvoll, ruhig zu bleiben und auf die eigenen Körperempfindungen zu achten. Mögliche Maßnahmen sind:
- Atemübungen,
- leichte Spaziergänge,
- ruhige Musik hören,
- warm baden, um Spannungen zu lösen.
Ziel ist es, die Energie zu bewahren und Sicherheit zu gewinnen, ohne den Prozess beschleunigen zu wollen. Bei Unsicherheiten empfiehlt es sich Kontakt mit der Hebamme, der Gynäkologie-Praxis oder dem Kreißsaal aufzunehmen.
Regelmäßigkeit der Wehen beobachten
Werden die Wehen intensiver und schmerzhafter, ist es wahrscheinlich, dass die aktive Geburt beginnt. In diesem Fall kann die 5-1-1-Regel genutzt werden, um die Wehenfrequenz zu messen.
Verhalten bei Blasensprung oder starken Kopfschmerzen
Bei Blasensprung, auch wenn nur leicht, sollte sofort die Klinik aufgesucht werden, auch ohne Wehen. Abhängig vom Schwangerschaftsalter und der Farbe der Flüssigkeit entscheidet das medizinische Team, ob eine Einleitung notwendig ist, falls die Wehen nicht von selbst einsetzen.
Starke und anhaltende Kopfschmerzen sollten nicht ignoriert werden. Am Ende der Schwangerschaft können sie auf eine Schwangerschaftskomplikation namens Präeklampsie hinweisen.
Symptome der Präeklampsie:
- Blutdruckanstieg,
- Schmerzen im Oberbauch,
- Sehstörungen,
- Übelkeit,
- ungewöhnliche Schwellungen im Gesicht.
Präeklampsie ist ein geburtshilflicher Notfall, daher ist sofortige ärztliche oder hebammengeleitete Untersuchung erforderlich.
Welche Anzeichen deuten auf eine Frühgeburt hin?
Von Frühgeburt spricht man, wenn die Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche erfolgt. In der Geburtshilfe werden drei Grade der Frühgeburt unterschieden:
- Moderate Frühgeburt: 32 – 36 + 6 Wochen,
- Extrem frühe Geburt: 28 – 31 + 6 Wochen,
- Sehr frühe Frühgeburt: vor 28 Schwangerschaftswochen.
Mögliche Auslöser für eine Frühgeburt:
- auftretende Wehen,
- vorzeitiger Blasensprung,
- verschiedene medizinische Probleme.
In jedem Fall zielt die medizinische Betreuung darauf ab, die Gesundheit von Mutter und Fötus zu schützen.
Die Geburtsanzeichen entwickeln sich schrittweise gegen Ende der Schwangerschaft. Die Fähigkeit, Vorboten, Übungswehen und Anzeichen einer bevorstehenden Geburt zu erkennen, hilft, den eigenen Körper besser zu verstehen. Sie liefert auch eine wichtige Orientierung, wann die Klinik aufzusuchen ist oder die Hebamme bzw. der Arzt zu kontaktieren ist. Nach der Geburt passt sich der Körper weiterhin an. Das Beckenbodenmuskelgewebe, das während Schwangerschaft und Geburt stark beansprucht wurde, kann in den folgenden Wochen sensibel oder weniger kräftig sein. Im Wochenbett dürfen sich Körper, Geist und Beckenboden von der Geburt erholen. Perifit-Beckenbodentrainer bieten im Postpartum-Bereich nach den ersten Heilungsprozessen und nach dem Ende des Wochenfluss eine innovative und personalisierte Unterstützung, um die Beckenbodenmuskulatur nach der Geburt gezielt zu trainieren.
Quellen:
- PubMed - Cervical mucus properties stratify risk for preterm birth
- PubMed- The Nest as Environment. A Historical Epistemology of the Nesting Instinct in Pregnancy
- PubMed - Engagement of the fetal head in primigravidae and its relationship to duration of gestation and time of onset of labour
- PubMed -Term prelabor rupture of membranes: guidelines for clinical practice from the French College of Gynaecologists and Obstetricians (CNGOF)
- MSD Manuel- Prise en charge normale du travail
- https://register.awmf.org/assets/guidelines/015-083k_S3_Vaginale-Geburt-am-Termin_2021-01_1.pdf

